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Diese Schrift ist eine Erweiterung zu dem Text: → Trenne die Verbindung oder verbinde die Trennung

Manchmal möchte das, was in der Ferne liegt, wieder näher sein, vielleicht so nahe, wie es einmal war, bevor es entfernt wurde. Man sehnt sich nach etwas, das unbestimmt in ziemlicher Entfernung liegt und möchte es aus der Entfernung zurück entfernen.

Die unerklärliche Sehnsucht nach etwas Unbestimmtem läßt das Ersehnte so unbestimmt erscheinen, weil es sich in der Entfernung befindet, doch nicht im Zustand der Entfernung, sondern im Prozess der Entfernung. Erst nach Überwindung des Entfernungsprozesses gelangt man zu dem Ersehnten zurück und wundert sich, wie naheliegend es doch eigentlich immer war.

Bei der Sache mit dem verlustig gegangenem inneren Kind ist das zum Beispiel so. Das Fehlende erscheint oftmals unerreichbar zu sein, doch ist es umso naheliegender, je mehr man erkennt, was hier wann und wie entfernt oder in die Entfernung gebracht wurde. So ist das Naheliegende zwar meistens das Nächstliegende, doch ist das Naheliegende eigentlich auch das Entfernte.

Auch die Sache mit der sogenannten Eheschließung könnte man in dieser Weise begutachten. Denn bei der Eheschließung ist es so, daß sich zwei vor der Ehe einzeln für sich bestehende Ees nunmehr dazu entschieden haben, sich über ein hauchzartes h miteinander zu verkuppeln. Diese Entscheidung mag viele Beweggründe haben, doch kommt es trotz vielseitiger Beweggründe nach dieser Entscheidung ja bekanntermaßen auch schon bald wieder zur Scheidung. Im Grunde möchte ich sogar behaupten, daß mit der Entscheidung für die Ehe bereits die Scheidung vereinbart, bzw. mit einer Eheschließung eine Trennung beschlossen wurde.

Um aber nicht auch noch den letzten bis einzigen Leser hier zu verlieren, sollte ich diese Behauptung vielleicht etwas relativieren: Wenn so viele Eheleute berichten, daß sie erst durch die Ehe, nicht nur beim anderen, sondern vor allem an sich selbst, viele neue Seiten entdeckt haben, dann scheint es sich hierbei immerhin um eine therapeutische Maßnahme zu handeln.

Wurde also, so wie ich behaupte, mit der Eheschließung nur eine Trennung beschlossen, so geschah dies, um den Beteiligten die Möglichkeit zu verschaffen, zu er erkennen, was Einheit wirklich bedeutet. (Ergänzung später: Was Einheit wirklich bedeutet, weiß ich allerdings auch nicht)

Während der Ehe steht jedenfalls das große E vor dem h, das kleine e steht hinter dem h, doch möchte das eine E irgendwann den Bund der Ehe auflösen, so gilt es, das h zu entfernen, über das beide Ees den Bund der Ehe beschlossen hatten. Sobald das verbindende H entfernt wurde, können beide Ees wieder für sich alleine stehen. Hier können sie als ein eheloses Paar weiterhin miteinander verbunden bleiben, nämlich ebenso verbunden, wie sie es schon vor der Ehe waren. (Daher ist der Ehebeschluss keine Verbindung, sondern nur ein Bund oder schlicht ein Band, vielleicht auch bloß ein Verband) Der Segen, den sie sich zur Ehebeschließung vonseiten juristischer und kirchlicher Advokaten eingeholt haben, wird dann wieder hinfällig und war daher von Anfang an eigentlich nur so etwas wie eine TÜV-Plakette.

Man könnte auch sagen, anfangs standen sie so eng beieinander, daß nicht einmal ein Haar zwischen beide gepasst hätte und mit dem h wurde die erste Distanz geschaffen, sowie mit dem Ehebeschluss eine Verbindungskonstrukt zweier Es beschlossen wurde, woraufhin sich jedes E von sich selbst entfernte, selbst wenn sich beide durch den anderen zunächst als vervollständigt empfanden. Voll ständig waren beide aber schon vorher, oder falls nicht, so hätten sie, falls sie nicht ständig für sich allein hätten stehen wollen, sich auch ohne Bildung eines solchen Konstruktes gegenseitig stützen können. Nun aber stützen sie hauptsächlich ein Konstrukt, das ist der Ehestand.

Sobald sich das Konstrukt nicht mehr allein durch gegenseitige Ergänzungen der Grundpfeiler aufrecht halten kann, drückt es auf die jeweiligen Schwachstellen der Grundpfeiler, so daß es solange wankt, bis es insgesamt kippt oder bis einer der beiden Grundpfeiler aufgrund seiner Schwachstellen zerbricht, die wiederum ohne ein Konstrukt, das es zu stützen galt, gar keine Schwachstellen gewesen wären, sondern allenfalls Schönheitsfehler.

Oftmals wird die Instabilität eines solchen Konstruktes aber früh genug bemerkt und man beginnt mit einer schrittweisen Dekonstruktion des Gebildes Ehe, allein um (vielleicht zum Schutze der Kinder) einem plötzlichen Einsturz mit katastrophalen Ausmaßen entgegenzuwirken. Hierbei entfernt der eine Teil sich langsam vom anderen und es fühlt sich ein Teil vom anderen immer weiter entfernt, während man noch nah beieinander liegt. Da wäre es nun naheliegend, auch eine körperliche Distanz zu schaffen, was natürlich nicht heißt, man könne den anderen jetzt schlicht und einfach beseitigen, Mord ist schließlich auch keine Lösung. Allenfalls könnte man ihn vielleicht des Ehebettes verweisen, den viel zu Naheliegenden.

Dann ist man auf einmal ein einsames E und beginnt etwas zu vermissen und das erscheint wieder umso weiter von einem entfernt zu sein, je weniger man sich um das eigentliche Naheliegende gekümmert hatte. Der Entfernung des Naheliegenden wird nicht mit einer Eheschließung entgegengewirkt, sondern könnte sie allenfalls zu der Erkenntnis verhelfen, was einstmals in einem selbst entfernt wurde und was es wieder zu integrieren gibt. Zu dieser Erkenntnis kommt es meistens erst nach der Aufkündigung der Bündnispartnerschaft, manchmal ist es auch umgekehrt.

Zudem verhält es sich natürlich so, daß im Rahmen der Eheschliessungen oftmals ein allgemeines Kinderkriegen mit einhergeht, doch was es meiner Ansicht nach in vielen Fällen damit auf sich hat, das möchte ich jedem, der das hier sowieso nicht liest, nicht auch noch zumuten.

Außer er hat gerade daran gedacht, diesen Artikel bei facebook einzubinden, so wie alles, was er gerne überall herumzeigen muß, zum Beispiel seine eigenen Kinder. Dann will ich ihn nämlich bitten, auch noch das folgende zu lesen:

In meinen Augen ist das ein Einbinden der Kinder ins eigene Facebook-Profil sowieso nur ein Ausdruck davon, daß die Eltern den Vorgang des Entbindens von ihren Kindern noch nicht vollständig abgeschlossen haben. Das Kind, das nun lange genug im Körper der Mutter und im Spannungsfeld geistiger und emotionaler Vorstellungskraft beider Eltern herumgeisterte, ist nun tatsächlich in der Wirklichkeit angekommen. Um diesen Realisationsprozess anzugehen, beppt man das Kind an eine Pinnwand, das sich seinerseits ebenfalls mit zunehmendem Alter von den Eltern loslösen wird (schließlich tut es dies schon, sobald es das Licht der Welt erblickt), so daß die Präsentation des Kindes vordergründig das stolze Elterndasein dokumentieren soll, während es hintergründig eine Methode ist, den Abnablungsprozess über diesen Umweg zu bewältigen.

Das Einbinden der Kinder bei facebook ist desweiteren ein Versuch, der Suche nach dem eigenen inneren Kind zu entfliehen, bzw. diese ungelöste innere Angelegenheit, wie bei manchen schon bei der Geburt, nach außen zu verlegen, indem, statt einen Bezug zu dem inneren Kind herzustellen, die äußeren Kinder bei facebook herumgezeigt werden. Wenn die sich dann mit einem eigenen Facebook-Profil von den Eltern abgenabelt haben, oder ihnen gar aus unempfindlichen Gründen auf einmal die Freundschaft kündigen sollten, können sie von eben diesen Eltern über die Gesichtserkennungssoftware jederzeit wieder aufgesucht werden.

So wird der letzte Rest des ohnehin schon verschütt gegangenen inneren Kindes mit dem Kinde entbunden, dem man dann die Dinge zur Last zu legen kann, die man bei sich selbst hätte ändern müssen, was wiederum nur gelungen wäre, hätte man sich längst vorher dem inneren Kinde zugewandt. In den Fällen, in denen dem Kind nichts zur Last gelegt wird und ihm keine Vorwürfe gemacht (oder gar tiefschürfende Wunden zugefügt) werden, wird oftmals ebenfalls nicht weiter auf sein inneres Wesen eingegangen, was wiederum der schlimmste Vorwurf von allen ist, da hiermit das Wesen des Kindes an sich abgelehnt wird – genauso eben, wie man es schon bei sich selbst in Form des inneren Kindes abgelehnt hatte.

Nun ist das Kind aber da, was soll’s, warum also lediglich mit einem Foto oder einer Profildarstellung auf dieses offenbar schwer zu realisierende Vorhandensein eines Kindes aufmerksam machen? Warum nicht gleich seine persönliche Steueridentifikationsnummer (Steuer-ID) bei facebook angeben? den ganzen Text lesen

Fortschreibung August 2013:

Ein Gedicht von Elfina

heiraten? nein danke!

was wurd’ einem mädchen so alles erzählt

wenn es wurd’ zum heiraten gequält

weiterlesen beim Nachrichtenspiegel

(da Elfina dort nicht mehr mitwirkt, verläuft dieser Link nunmehr ins Leere. Schade, das Gedicht war wirklich gut)

Zitate von Osho:

… Ihr möchtet, dass euer Geliebter oder eure Geliebte auch morgen noch verfügbar ist. Es war wunderschön heute und ihr macht euch Sorgen wegen morgen. Daraus ist die Institution der Ehe entstanden. Sie entstammt nur der Angst, dass euer Geliebter oder eure Geliebte euch morgen verlassen könnte – also macht ihr einen Kontrakt vor der Gesellschaft und vor dem Recht daraus.

… Aus der Liebe einen Kontrakt zu machen bedeutet, dass ihr das Recht über die Liebe stellt; es bedeutet, dass ihr die kollektive Masse über eure Individualität stellt und dass ihr die Unterstützung der Justiz, der Armee, der Polizei, der Richter in Anspruch nehmt, um eure Knechtschaft vollkommen sicher und gewiss zu machen. Morgen … wer weiß. Liebe kommt wie eine Brise – sie kommt vielleicht erneut, doch vielleicht kommt sie auch nicht. Und wenn sie nicht kommt, dann wird das Zusammenleben bei fast allen Paaren der Welt zu Prostitution – des Gesetzes wegen, der Ehe wegen, der gesellschaftlichen Achtbarkeit wegen.

… Die Ehe selbst ist eine Prostitution. Wenn ich meiner Liebe vertraue, warum sollte ich dann heiraten? Allein schon die Vorstellung zu heiraten ist ein Zeichen von Misstrauen. Und etwas, das aus Misstrauen entsteht, wird eurer Liebe nicht helfen, tiefer und höher zu werden. Es wird sie zerstören. Liebt also, doch zerstört eure Liebe nicht durch etwas Künstliches – durch die Ehe oder durch irgendeine andere Art von Beziehung. Liebe ist nur authentisch, wenn sie Freiheit schenkt. Macht das zum Kriterium. Liebe ist nur dann echt, wenn sie nicht in die Privatsphäre des anderen eindringt. Sie respektiert seine Individualität, seinen privaten Bereich. Doch die Liebenden, wie sie auf der ganzen Welt anzutreffen sind, richten all ihre Anstrengungen darauf, dass nichts privat sein sollte, dass alle Geheimnisse mitgeteilt werden sollten. Sie haben Angst vor Individualität; sie zerstören sich gegenseitig ihre Individualität und hoffen, dass ihr Leben zufriedener wird, erfüllter wird, indem sie einander zerstören. Doch dadurch werden sie nur immer noch unglücklicher.

… Ich bin nicht gegen die Liebe. Im Gegenteil, ich bin absolut für Liebe; das ist der Grund, warum ich gegen Beziehungen bin, gegen die Ehe. Es ist durchaus möglich, dass zwei Menschen ihr ganzes Leben miteinander verbringen. Niemand sagt, dass sie sich trennen müssen. Doch dieses Zusammenleben sollte nur aus Liebe geschehen und ohne sich gegenseitig die Individualität zu rauben, ohne in die Privatsphäre, in die Seele des anderen einzudringen. Das ist gegen die Würde des Einzelnen.