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Leider ist mein gnädiger Herr Brötchengeber Wohlhochgeboren Urbald Freiherr von Oberhand noch immer nicht von seiner Bornfahrt wieder zurück. Er hat mir aber eine Postkarte geschrieben, mit dem Vermerk ich solle sie dem Leser vorlesen. So will ich das hiermit gerne tun:

Monsieur Foutre Le Camp!

Befinde mich noch immer in der Landschaft meiner Träume und diese Reise will nicht enden. Es wäre mir ein Vergnügen zu berichten, welche Ausblicke ich hier geniesse. Es ist noch etwas neblig aber Sie glaubten nicht, wie friedlich und harmonisch es dort hinter den Hügeln zugeht. Insbesondere die Farben sind neu, es sind Farben, die noch kein Mensch zuvor gesehen hat. Die Stille ist von luftigen Sanfttönen erfüllt, eine Kulisse seelenharmonischer Klänge umgibt mich. Hier sind alle Menschen frei und Sie können sich nicht vorstellen, was das heißt. Es gibt auch keine Veranlassung, irgendetwas zu tun und doch sind alle Menschen sehr erfüllt und in ein mysteriöses Wirken eingebunden, das jedoch jeder Beschreibung entbehrt. An den Werten und Maßstäben unserer Tage kann es nicht gemessen werden, was sie hier tun, doch es ist ein wenig, als beobachte man einen Vogel, eine Katze, eine Pflanze oder den Wind. Nicht immer ergibt es aus der Sicht des Menschen Sinn, was sie gerade tun, oder in welches Tun ihr Wirken eingebunden ist. Und doch scheint jegliches Handeln dieser Wesen und Wesenheiten einem höheren Gesetz zu folgen. Ähnlich ist es auch hier, am Rande meiner Grenzreise, hier hinter dem Horizont der sich ausgestalteten Sphäre unserer Wünsche, Träume und wahrheitlichen Ur-Sehnsuchten. Das ist alles so anders, als in Ihrer Welt, der ja ich ebenfalls noch angehöre, auch wenn ich mir da manchmal nicht so ganz sicher bin. Und, ja, ich bin zufrieden – aber was muß ich da wieder von Euch hören, von welch gruseligen Ereignissen wird bei Euch schon wieder berichtet? Ist das wirklich wahr?

Ich kann Ihnen dazu nur sagen: Bleiben Sie ruhig. Was man von der übertragbaren völkermordenden Krankheit sagt, kann stimmen, doch nicht in der Form, wie man es sagt. Da geht es mehr um die Verbreitung der Arzeney und des Packzettels. Es wird sich zeigen, wer da wem eigentlich helfen oder schaden will. Sie werden wissen, was Sie tun sollen, wenn Sie wissen, wem Sie lieber glauben möchten.

Doch Ihnen muß ich das ja gar nicht sagen.

PS: Statt der Pest und der gruseligen Ereignisse an sich beobachten Sie also besser die Zeitungen und die Art und Weise wie sie darüber berichten. Bei den meisten Zeitungen ist anzunehmen daß deren Schreiber geistiges Auffassungsvermögen in einer verrutschten Konjunktion zu den tatsächlichen Begebenheiten steht.

Wenn Sie in einer Gegenüberstellung dazu eine Liste anfertigen könnten, wie es um die Schreiberzunft der Gegenseite, also des Paralelluniversums, beschaffen ist, können wir Darstellungen gegeneinander überstellen, so daß am Ende der Kern der Wahrheit sichtbar werden sollte.

Wohl an lieber Skribent, immer schön fleissig die Tinte flüssig halten und vor allem:

Bleiben Sie gesund!

Nun, so schrieb er. Hauptsache ihm geht’s gut. Bleibt also mal wieder alles an mir hängen. Ich habe mir gedacht, am besten käme ich seinem Wunsch nach, wenn ich zunächst einige Artikel denkfähiger Zeitungsschreiber zusammenstelle und, wie der Herr es wünschte, mein Augenmerk nicht auf die Pest lenke, sondern auf die „gruseligen Ereignisse“ in den Hirnen der für sie sprechenden Weltführer.

Um mehr darüber zu erfahren begeben Sie sich bitte direkt in die Quarantäne


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