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fleissig zurechtgeschnitzt im Wonnemonat Mai 2009, aufgrund seiner Akutualität nochmalen hervorgehobelt im August 2015


Wenn ich manchmal durch den Wald gehe oder mir alleine im Park die Bäume ansehe, dann habe ich mehr Sehnsucht nach Gottvertrauen, empfinde mehr Ehrfurcht vor dem Mysterium der Natur, habe mehr Respekt vor der Reinheit und Schönheit des Lebens und spüre mehr Nähe zum heiligen Prinzip, als zum Beispiel in einer Kirche.

Betrete ich eine Kirche, habe ich nur sehr zwiespältige Empfindungen. Vor allem interessiere ich mich nicht dafür, was daran evangelisch, katholisch oder orthodox sein soll. Das ist für mich der gleiche Sims, obwohl ich natürlich zugeben muß, daß allein an den architektonischen Fähigkeiten der jeweiligen Baumeister große Unterschiede zu erkennen sind. Wobei hier die Evangelen am schlechtesten abschneiden. Aber immerhin, allein an der Bauweise kann man erkennen, unter welcher Fuchtel die Menschen inmitten der entsprechenden Historie jeweils ihr Sklaventum auszuleben hatten. Ansonsten aber erzählen mir diese Bauwerke nicht besonders viel Erhellendes. Genauso ist es auch mit den Rundbauten der jüdischen und moslemischen Gemeinde; sie sind sehr beeindruckend, doch täte ich auch hier mit gleicher Begeisterung meine Schuhe ausziehen, wie wenn mich zum Beispiel ein Eskimo in sein Iglo einladen würde.
Im Gegensatz zu den Kirchklötzen sind diese Bauwerke aber wenigstens eine runde Sache, wo ich als Unwissender ja immer dachte, das Wort Kirche entspränge dem gleichen Herkunftswort, wie das Wort Zirkel und circe.

So wenig ich also von diesen Dingen weiß, (ich glaub sie drehen sich im Kreis) möchte ich daher sagen, meine Haltung gegenüber jeglichen Religionen und deren Glaubensinhalte ist eher neutral – egal in welches Gewand der heilige Geist jeweils eingekleidet wurde. Irgendwie muß man ihn ja auch ausschmücken und ihm irgendwas anhängen, sonst fehlt es an einer Projektionsfläche für all die Hoffnungen, Wünsche, Vorstellungen, Affinitäten, Sorgen, Nöte und Ängste, von denen die Menschen so durch das Leben getrieben werden.

Heutzutage begibt man sich ja ohnehin nicht mehr all zu oft in diese Gotteshäuser. Eher sucht man Einkaufstempel auf und erweist dem Gott Mammon die Ehre, besonders am verkaufsoffenen Sonntag. Und dies erscheint mir nun ein ziemlich geistesgestörtes Verhalten zu sein, wenn man bedenkt, wie regelmäßig wir in relativer Abhängigkeit zu den Konsumtempeln zusätzlich noch Banken, Arbeitsagenturen, Apotheken, Ärztehäuser und so weiter immerfort aufsuchen. Bei diesem Wahnsinn wäre es mir fast schon wieder lieber, die Menschenmassen strömten wieder in die Kirchen, verbreiten diese doch immerhin noch die Aura einer irgendwie gearteten geheiligten Stätte.

Insbesondere bei Kathedralen ist dies der Fall. Da ahne ich schon von Weitem, daß sie auf heilendem Grund erbaut wurden und mit dem ersten Schritt ins Innere weiß ich intuitiv: Hier haben die Kirchenbauer einen guten Grund gefunden, ihrem Vorhaben Ausdruck zu verleihen – nur daß sie nicht unbedingt die ersten waren.

Denn was war wohl darunter, lange Zeit vorher? Welcher Tempel, welcher Hain wurde hier dem Erdboden gleichgemacht, bevor die Kirche oder Kathedrale oder der Dom darüber errichtet wurde?

Mit den Antworten auf diese Fragen verlasse ich ein solches Haus also zumeist recht bedrückt, dabei sollte ich mich doch glücklich fühlen. Schließlich war ich gerade im Hause Gottes zu Besuch und habe Speis und Trank von ihm entgegen genommen. Doch beseelt fühle ich mich nicht unbedingt, im Zweifelsfall allerhöchstens etwas schwerfällig getröstet.

Auch keine Spur von einer, sagen wir mal, fröhlichen Traurigkeit, die einem Melauncholiker (manchmal auch Melancholeriker) wie mir doch eigentlich immer ganz angenehm war. Keine Spur davon, mir meiner Einsamkeit als Mensch bewußt geworden zu sein, um mich dann nackt und vertrauensvoll in die Einigkeit mit Gott zu begeben, so daß ich nun, tief im Herzen bewegt, beseelt durch das heilige Portal dieses hohen Hauses hinfürto meiner Wege schreiten könnte. Doch was ist? Ich setz mich nach all der Anstrengung erstmal auf eine Parkbank, versuche mir im Schatten der Kathedrale vergebens den himmlischen Klang der Engelsgesänge zurückzurufen, höre jedoch nichts und füttere stumm die – Tauben.

Natürlich, sehr wohl berühren mich die Menschen, die dort als Heilige gelten, zu Heiligen gemacht wurden oder auch heilig waren und auch ihre überlieferten Worte können mich erreichen. In Anbetracht dieser Heiligenbilder empfinde ich die Anwesenheit vieler anderer Menschen allerdings als störend, vor allen Dingen während der öffentlichen Gesangsstunden. Ist nämlich die ganze Gemeinde hier versammelt, so ist es für mich nicht viel anders, als begegnete mir inmitten eines tiefen Waldes ein trällernder Wanderverein. Die Engel und anderen Wesenheiten, die im Innern einer solchen Kirche noch einige Faszination auf mich ausübten, verstummen dann, genauso wie die Vögel und anderen Tiere im Wald verstummen, wenn ein bunter Menschentrupp palavernd an dem heiligen Mysterium vorbeizieht.

Die Kirchen betritt man auch wegen der Engel in den bunten Fenstern und all der Figuren und Symbole wegen, die dort den Menschen an seine Vergänglichkeit in der Ewigkeit des Geistes erinnern. Das Leid von Jesus und anderen ist zu spüren, aber auch das Licht, das von ihnen ausgeht (oder sagen wir lieber herausleuchtet, denn wenn ein Licht ausgeht, ist es ja kein Licht mehr) ist ein helles und sanftes Licht zugleich, da sie, auch wenn sie zwar gekreuzigt wurden, einen wundersamen Frieden gefunden haben, den wir konfliktgestörten Geister dann eben als etwas unerreichbar Heiliges auffassen.

Zwar fehlt mir die klare Luft und der Duft von Kiefer, Fichte, Moos und Laub, doch immerhin riecht es hier nach Kerzenwachs. Und nach Weihrauch natürlich. Dieser Weihrauch, sofern er nicht verdünnt und gestreckt wurde, kann das Unterbewußtsein tief in vergangene Urzeiten führen und ich denke an andere Kräuter und Wurzeln, die hier unter dem Beton liegen oder weit in der Ferne duften. Ich denke an den großen Säulen vorbei und blicke durch die nackten Steinblöcke der Kirche; dort strahlt das Licht und in den Wiesen hockt Gott und pflückt selbstvergessen ein Gänseblümchen.

Am Rande davon sind die Wälder, tiefe, dunkle Wälder, denn auch Dunkelheit muß sein, wegen dem nötigen Schlaf. Aber nun ist gerade Tag und das ganze Land müßte buntgrün leuchten. Neben den Blumenwiesen, Feldern und Sümpfen sollte es von Wäldern überdeckt sein, von Urwäldern, Buchenwäldern wahrscheinlich – Deutschland war schließlich einst von Wäldern bedeckt. Auch der moosbedeckte Felsbrocken Irland war ja mal mehr oder weniger ein einziger Wald. Ich glaube, dort waren es Kopfeichen und Wacholder, aber das ist alles lange her und gälisch spricht man da auch schon länger nicht mehr. Sicher, es waren wahrscheinlich die alten Iren selbst, deren unzählige Königsfamilien entsprechend viele Schiffe aus Eichenholz brauchten, um den Menschen in aller Welt das Heidentum zu lehren, damit sie ihre Urwälder schützen, bevor die Spanier kommen und wieder alles kaputt machen. Das tun die Spanier, weil sie erblich bedingt neidisch sind und machen entweder alles kaputt, was ihnen beim Flammen-to-go tanzen in die Quere kommt, oder sie kaufen es den anderen einfach ab, um sich selbst damit zu schmücken. Im Vergleich zu den Spaniern sei den Engländern daher das kleine Malheur verziehen, den keltischen Nachbarn nebenan an das Sprechen ihrer Sprache unter Androhung von Todesstrafe untersagt, und das Fischen, insbesondere zu Zeiten von Hungersnöten, verboten zu haben.

Aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja in der Kirche, im Weihrauchduft. Weihrauch ist eigentlich Harz. Doch ist es denn Tannenharz? Kommt es aus dem Schwarzwald? Oder kommt es ursprünglich von ganz weit her? Ist es nicht 3000 Jahre alt, 5000, 8000? Das fragt man sich schon, denn so duftet es ja: irgendwie auch nach fernem Orient. Welches Land aber duftet nach Orient? Irak? Da duftet nix mehr. Nennen wir es aber in Angedenk der alteingesessenen Flüsse Euphrat und Tigris das Zweistromland, so duftet es schon wieder etwas mehr nach Orient. Und Mesopotamien klingt auch schön nach einer ziemlich alten Kultur. Wo der Irak ist, ist ja der Iran auch nicht weit. Iran, das ist namentlich das Land der Arier. Man nannte es auch mal Persien und persisch spricht man komischerweise auch in so mancher Gegend in Afghanistan. Das ist auch ein sehr schönes Land. Und so urig. Afghanistan. Wie das schon klingt. Zumindest früher, jetzt klingt es irgendwie anders. Hinter Afghanistan und Pakistan kommt dann Indien. Zur Zeit ist da natürlich noch nichts los, aber irgendwann findet es auch wieder Platz in unseren Zeitungen.

Welche Länder gibt’s da unten sonst noch? Afghanisten hatten wir schon. Irak hatten wir auch schon. Kuwait haben wir in dem Zusammenhang vergessen aber bis auf die vielen Bohrtürme gibt es in Kuwait nicht viel zu entdecken. Und sonst? Was ist eigentlich mit Libanon? Libanon gibt es ja auch noch. Im Libanon liegen Städte wie Sidon, Byblos und Baalbek, das hört sich alles schon ziemlich biblisch an. Und so kommt man nach Israel, das natürlich das Land ist, das wir alle am besten kennen. Gerade bei Jerusalem und Bethlehem denkt man an die schöne Kinderzeit, als wir noch mit einer Pappkrone auf dem Kopf vor den Haustüren der Nachbarn Sternenlieder sangen.

Und all die anderen fremden Länder. Syrien zum Beispiel. Damaskus; das kennt man ja heute noch, obwohl es schon so alt ist. Syrien gab es schon 8000 vor Christus und irgendwas hat es vielleicht auch mit Assyrien zu tun. Auch Libyen ist nicht ganz unbekannt, obwohl man da zur Zeit nicht gut rein kommt. Dabei dürfte Tripolis schon seine Reize haben und auch sonst gäbe es in dem ganzen Land wohl viel Altes und Geheimnisvolles zu entdecken. Bei Libyen muß man aber auch an Nordafrika denken und wegen Afrika denkt man auch mal kurz an Niger, Tschad und Sudan. Sudan hat man schon mal in irgendeinem Zusammenhang was von gehört, aber eigentlich ist da nichts besonderes los. Außer daß man von Sudan gut nach Kongo reinkommt. Früher hieß es auch mal Portugisisch Kongo und zwischendurch auch Belgisch Kongo. Belgisch vielleicht wegen Brüssel, denn heute heißt der Kongo „Demokratische Republik Kongo“. Kongo, das ist nämlich eine Demokratie. Fast wie bei uns in Europa also, nur nicht so modern.

Aber im Kongo gibt es Erze, die es in ganz Europa nicht gibt und die so selten sind wie die Erze Arsen und Germanium. Wo es Germanium¹′² gibt, weiß ich nicht, in Deutschland ist es uns möglicherweise längst abhanden gekommen.

Die besten Erze gibt’s jedenfalls im Kongo. Und auch in Ruanda bekommt man sowas. Ach ja, und in Äthiopien auch. Das ist ein uraltes Volk, Äthiopien, aber das nur am Rande.
Afrika kennen wir ja ganz gut. Zum Beispiel von den diakonischen Werbefenstern an unseren Bushaltestellen, wo ein Mädchen mit einer Tüte Reis in der ausgestreckten Hand durch ein Gewässer watet, das ihr bis zum Halse steht. Aber sie lächelt dabei, es geht ihr folglich nicht ganz so schlecht, wie man vielleicht befürchten könnte.

Neben solch hohen Fluten gibt es in all diesen Ländern ansonsten nur Urwald und Wüsten; leben kann man da nicht, als Europäer. Und wenn es hier schon um Wüsten geht, muß man natürlich auch Somalia erwähnen. Ist ja ebenfalls ein Land, das zunehmend verwüstet. Da kommt man zur Zeit gar nicht hin. Die einheimischen Piraten kapern immer unsere Flottenverbände, die dort vor deren Küsten schon immer gefischt haben. Lange Zeit ging das gut, denn die Somalier durften mit ihren Booten ganz vorne am Küstenstreifen fischen und so kam man sich nicht in die Quere. Unsere Tanker fischen sowieso lieber weiter hinten in den tieferen Becken. Als die Somalier aber ihren Teil ganz leergefischt hatten, meinten sie, der Fischbestand wäre auch deswegen aufgebraucht, weil unsere Riesenkähne das bißchen Wasser vor der Küste verunreinigen. Natürlich ein haltloser Vorwurf, doch die Piraten haben dann einfach unser Schiff entführt. Seither müssen wir zum Fischefischen unsere Fischerschiffe mit Kriegsschiffen begleiten.

In den letzten Jahren wurde allerdings zunehmend bekannt, daß all diese wüsten Länder dort nicht nur aus Wüsten bestehen, es gibt auch Flüße und Seen und sogar Wälder, Täler und weite fruchtbare Ebenen und Berge, sogar wohl richtige Gebirge. Jedoch sollte man besser nicht dort wandern gehen, von Strandurlauben ganz zu schweigen. Dafür ist Tunesien und zum Teil auch Marokko gedacht und dann kommt ja auch schon wieder Spanien. Portugal soll auch schön sein, Südeuropa sowieso, Italien und natürlich auch Griechenland. Ohnehin ist Europa für Urlaub noch am besten geeignet, denn es bietet dafür die nötigen Sicherheiten. Das erkennt man ja auch an der Anziehungskraft, die Europa auf die Menschen aller Herrenländer ausübt; obwohl man sich schon fragt, wo die so plötzlich alle herkommen.

Nachtrag 2015: Wir bitten um Verständnis, daß wir uns hier noch mehr den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten zugewendet haben, als den Flüchtigen aus dem näheren Osten.


¹Worterklärung als Ergänzung 2011: Organisches Germanium. Eine Hoffnung für viele Kranke.

²Ausführliches zum Thema Germanium: → Organisches Germanium – In Deutschland verboten



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