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Ausgerichtet, Teil 1

31.01.2009

Leider gilt man bei weiten Teilen der Bevölkerung als ein Spinner, wenn man sich aus Versehen mal kurz öffentlich dazu bekannt hat, ein spirituell ausgerichteter Mensch zu sein.

Aber vielleicht sollte es hier auch mehr um das Bekenntnis gehen, als darum, was andere von einem denken.

Vor seinem Glauben, vor dem Prinzip der Natur, vor der Weite und Tiefe des Universums, vor Gott und vor sich selbst bekennt man sich seiner Spiritualität auf direkte Weise. Vor den meisten Menschen bekennt man sich zunächst nur indirekt – eben weil man anfangs noch nicht gefestigt genug ist, mit gewissen Vorurteilen und Verurteilungen umzugehen. Oder sie einfach zu umgehen.

Was jedoch ab einem gewissen Grad nicht mehr umgangen werden kann, ist die Erkenntnis oder die Einsicht, man könnte als Mensch ein Wesen sein, das sich seiner Spiritualität bewußt geworden ist – kompliziert ausgedrückt. Der Einfachheit halber könnte man auch sagen, man dürfte sich gern schlichtweg ein Lichtwesen nennen. Schließlich wachsen wir ja nicht ohne Licht, also sind wir auch Lichtwesen.

Wie auch immer man den Zustand nennt (obwohl es doch mehr ein fortwährender Prozess als ein stillstehender Zustand ist), es geht ja doch nur darum, daß man auf eine teils eigentümliche, teils übersinnliche Weise auf den heiligen Geist bezogen ist, was immer das sein soll und wo immer man ihn gerade für sich selbst erkennt.

Übersinnlich ist etwas solange, bis sich die Sinne so weit entfaltet haben, daß es nicht mehr über den Sinnen, also außerhalb der Wahrnehmung, liegt. Je mutiger und je weniger voreingenommen die Menschen ihre spirituelle Ausrichtung nach Innen wie nach Außen erforschen und ausdehnen, desto weniger kommen sie zu übereilten Urteilen, Vorurteilen oder Verurteilungen. Wenn Sie es richtig machen.

Wenn sie es nicht so ganz richtig machen, können auch vorgeblich spirituell ausgerichtete Menschen dazu in der Lage sein, diejenigen zu verurteilen, die in ihren Augen „nicht spirituell genug“ sind oder sich nicht auf der gleichen Wellenlänge bewegen. Auch religiöse Menschen sind selbstverständlich spirituell ausgerichtet. Oder besser gesagt, Spiritualität ist auch für Gläubige der Religionslehren eine Voraussetzung.

Wer weder mit esoterischer, noch mit religiöser Spiritualität etwas am Hut hat, reagiert zuweilen höchst empfindlich auf die Menschen, die es sind. Allenfalls sagen sie: Ich halte mich an der Materie fest, man lasse ihnen doch den Glauben, denn je mehr sie spirituell ausgerichtet sind, desto weniger sind sie materiell ausgerichtet und umso bleibt mehr für mich davon übrig.

Doch man sollte sich nicht täuschen lassen; auch spirituelle und religiöse Menschen kleben ziemlich an der Materie fest. Man schaue sich nur einmal das ganze Geklimpere an, mit denen sich manche Esoteriker umgeben oder das Gedöns in den Kirchen, allem voran natürlich die Goldkuppeln, von der Vatikanbank ganz zu schweigen.

Ganz ohne Materie geht’s nimmer, und im Grunde ist an dem Materiellen an sich auch nichts Verwerfliches zu entdecken. Schließlich ist es nicht so, daß man als spiritueller Mensch die Materie nicht etwa weniger schätzt, als jene die daran oberflächlich haften, sondern so, daß man ihr sogar eine viel höhere Bedeutung zuspricht, bzw. die eigentliche Bedeutung nun erkennt, während die Anhaftenden ihr nur Bedeutungen beimessen, die lediglich ebenfalls dem jeweiligen Reifegrad ihres Bewußtsein entsprechen. Die meisten dieser beigemessenen Bedeutungen sind jedoch nur die Projektionen ihres Egos, dem ängstlichen Teil ihres Wesens, das sich an Dinge klammert, die scheinbare Sicherheit und scheinbare Erfüllung versprechen, allein um nicht den tiefer liegenden Ängsten und Abgründen, wie auch urwüchsigen Aspekten der Freude und deren Höhepunkte ins (eigene) Auge zu sehen – und sich von nun an mit dem höheren Wesen zu verbinden. Dorthin gelangt man, wenn man im Kern der Materie den Ursprung, d.h. die Herkunft derselben, erkannt hat, was eben geschieht, sobald die fälschlichen Bedeutungen und Ego-Projektionen, die man der Materie beimisst, entlarvt wurden, während man sich von den vorherrschenden Denkstrukturen und Glaubensmustern losgesagt hat, die uns spätestens mit Beginn der Schulzeit sorgenfältig eingetrichtert wurden.

Diese Überwindung ist wohl der erste Schritt zur Erkenntnis und dann kommen die anderen Gedankenkonstrukte an die Reihe, eins nach dem anderen, eingeschlossen der esoterischen Lehren. Das geht soweit, bis Nichts übrig bleibt und schon ist man Allem viel näher gekommen.

Doch spirituelle Selbstsucher befinden sich nach Meinung vieler Menschen nur auf einem „Trip der Selbstfindung“ und sie denken, er wird schon wieder zu Sinnen kommen, irgendwann kommt er schon zurück und irgendwann können wir uns wieder gemeinsam am Samstag den Spirituosen zuwenden, uns am Sonntag durch ein Gitternetz heimlich bei Gott entschuldigen (das schlechte Gewissen ablegen, bei insgeheimer Forderung nach der Erlaubnis bis zum nächsten Termin genauso weitermachen zu dürfen) – und ab Montag der Wirtschaft auf dem Fließband zum „Aufschwung“ verhelfen, damit alle sich ein Auto und ein Handy leisten können. Wer es sich nicht leisten kann, der hat eben nicht genug dafür geleistet. Irgendwann wird er den spirituellen Trip schon wieder beenden und ans Fließband zurückkommen.

Er kommt aber nicht mehr zurück. Er betreibt seinen eigenen „Aufschwung“. Dafür leistet er viel. Er kann es sich nun sogar leisten, ohne Auto und Handy auszukommen. Schließlich ist er nicht mehr davon abhängig, selbst wenn er eines besitzt. Er ist nun „auf dem Trip der Selbstfindung“ und je weiter er geht, desto mehr kommt er zu sich mit allen Sinnen.

Mitnichten ist es hierbei so, er würde auf Wolke Sieben schweben, denn es ist ein langer Prozess und jeden Tag nimmt er Abschied von der Welt, von den Dingen, die ihm einst etwas bedeuteten, und auch von den Menschen, die ihm einst etwas bedeuteten. Da bleibt am Ende nicht mehr viel über, das wirklich etwas bedeutete, und das ist schmerzhaft, denn was war nicht alles reine Täuschung – Selbsttäuschung. Manches waren offenbar nur Beziehungen zu etwas, doch den Bezug hat er nun verloren, manches waren Verbindungen, doch sie sind zeitdessen unterbrochen, vielleicht beleben sie sich wieder von selbst, durch das Wiederauffinden oder Neuentdecken des ursprünglichen Kerns.

Einstweilen aber kommt er nicht mehr zurück, sondern geht immer weiter vor, wie jeder andere eben auch, niemand kann ihm folgen, jeder hat seinen anderen Weg, man trifft sich höchstens an einem neuen Punkt, der von verschiedenen Richtungen aus gesucht werden kann.

Hin und wieder läuft man sich über den Weg, alle Wege kreuzen sich irgendwann, und an manchen Kreuzungen verweilt man ein paar Augenblicke gemeinsam. Manche scheinen auf einem ganz ähnlichen Weg zu sein, manche schauen einen nur mit einem Ausdruck von blöder Ironie an, manche begegnen einem gar bösartig, während sie sich noch mehr an ihrem materiellen Geschütz festklammern als vorher und damit auch offensiver in die Schlacht gegen das freiheitliche Denken und intuitive Handeln vorgehen, als bisher.

Für viele gilt man also als ein leicht entrückter harmloser Sucher auf einem esoterischen Trip oder für manche gar als ein verrückter Spinner. Es kommt ganz darauf an, welches Thema man in ihrer Anwesenheit anschneidet. Es kommt ganz darauf an, wie man auf die Themen reagiert, die sie vorgeben. Es kommt ganz darauf an, an welcher Stelle es sich zeigt, wie viele Welten plötzlich zwischen beiden liegen.

Es kommt ganz auf beide Seiten an, diesen Konflikt nicht zu schüren. Verständnis ist gefragt. Schließlich ist der spirituelle Sucher nicht unbedingt auf einer höheren Sprosse, als der Liebhaber der Materie (oder auch der Sklave der Matrix), denn er wohnte diesem Lebensprinzip ja selbst lange genug bei. Die Materie ist ebenfalls Teil des Ganzen, nur hat derjenige den darin wohnenden Geist noch nicht erkannt, der sich noch nicht zu seiner eigenen Spiritualität bekannt hat. Geist und Materie sind miteinander verbunden, im Grunde ist es gar ein und dasselbe, bzw. wird zweiteres durch ersteres bedingt. Be-Dingt.

Doch das darf man alles noch nicht so laut sagen. Auch darf man nicht sagen, daß die Menschheit seit gut 1500, wenn nicht sogar seit 3000-5000 Jahren in Sklaverei lebt und jetzt endlich „kurz davor“ wäre, genau dies wenigstens zu erkennen – während plötzlich die Stimmen der Freiheit hinter den fernen Bergen erklingen, damit die Menschen erkennen könnten, daß da mehr ist, als bisher anzunehmen war (und angenommen werden durfte).

Plötzlich würden sie auch erkennen, daß um sie herum überall Zäune stehen, einerseits sehr bunt angestrichene Zäune, andererseits stacheldrahtige Elektroschlagzäune, und unmerklicherseits eine ganze Reihe unsichtbare Zäune – aber die würden alle schnell fallen, wenn jeder seinen Geist Richtung Hintergebirgen entfaltet, wo die Heiligen wohnen und mit uns singen wollen. Der letzte, der uns hatte erreichen wollen war vielleicht Jesus, aber sie haben seine Worte entweder nicht verstanden oder besser nicht befolgen wollen, weil sie weiterhin die Macht haben wollten.

Daher darf man schon gar nicht sagen, daß den Menschen zum Beispiel die Mittel der modernen Kommunikation genau jetzt in die Hände und an die Ohren gedrückt wurden, um hiermit den heiligen Draht zu besetzen und zu belegen, der heilige Draht, über den eine ebensolche Verbindung seit jeher besteht.

Nein, das alles darf man ihnen nicht sagen, denn…, bitte?… hallo? Haaallo!-

Mist, jetzt hat er aufgelegt.


Das ist mir zu spirituell – Ausgerichtet Teil 2

„Das klingt mir zu spirituell“ … sagen manche. Und dann kriegen sie so einen komischen Blick. Als hätte man einen Fleck auf dem Hemd. Irgendwann gewöhnt man sich an diesen Blick und irgendwann kann man diesen Leuten auch in aller Friedfertigkeit begegnen. Anfangs können diese Blicke aber verunsichern, wenn nicht gar Angst machen. Sie blicken einen mit einem Ausdruck in den Augen an, fast wie jene Soldaten damals, die pflichtgemäß darauf achteten, daß die aussondierte Opfermasse der Reihe nach in die Waggons steigt. Ein Ausflug in den Buchenwald. Oder in die Birkenau.

Und so steige ich ein und für einen Augenblick bleibe ich stehen, auf dem Trittbrett – ja auf dem Trittbrett, schließlich bin ich ja noch immer nicht ganz vollständig eingestiegen, drehe mich aber schon um und frage den Soldaten: Was sollen wir eigentlich sonst sein, wenn nicht spirituelle Wesen? Politische wahrscheinlich. Politische Püppchen. Dann lieber spirituell. Was macht es schon aus?

Dann sitzt man also in so einem Waggon, zum Beispiel in der Straßenbahn, um ein wenig ziellos durch die Gegend zu tramperen und vor sich hin zu trahäumen, doch es dauert gar nicht lang und schon kommt wieder eins von diesen politischen Püppchen angepirscht, egal ob männlich oder weiblich, um wieder diese komischen Sachen zu fragen: Na, auch auf dem Weg zur Arbeit? Oder besser: Wo arbeitest du eigentlich? Oder noch besser: Was verdienst du eigentlich? Schließlich müssen wir alle ja unsere Rechnungen bezahlen. Oder bist du kein Zwangsarbeiter mehr?, höre ich ihn angstvoll befürchten.

In wessen Auftrag soll man eigentlich noch arbeiten und wirken, denkt sich der Ausgefragte dann früher oder später.

Innerhalb einer Gesellschaft – die mehr den materiellen Werten zugewandt ist, als der spirituellen, geistigen und seelischen Welt – kann man überhaupt gar nicht dem Wohl der Gesellschaft dienen, egal wie viel man arbeitet – zu diesem Schluß käme derjenige, der ehrlich zu sich ist, doch das kann er nicht, denn Ehrlichkeit ist in so einer Gesellschaft Fehl am Platz. Man könnte es besser ganz bleiben lassen und sich einfach davon verabschieden, denkt er sich.

Ein gut Teil der hier obliegenden Materie ist gewiss nur der Auswuchs der Gedanken der Menschen, während sie eigentlich der Ausdruck des heiligen Geistes sind, und während er einen Hürdenlauf durch den Garten aller echten und unechten Gegenstände vollbringen muß, erkennt er, was für ein Höllenfeuer die Gedanken der Menschen angerichtet haben. Was für einen Unsinn sie fabrizieren und mit welchem Unsinn sie sich den ganzen Tag über beschäftigen. Was für einen Schrott sie für wertvoll halten und welche Werte sie verschwenden und entweihen. Was haben sie nur für Gedanken gehabt? Wo kommen diese Gedanken her? Stehen die etwa alle unter irgendeinem Einfluß?

Irgendwann erkennt er gar, daß er innerhalb eines solchen Systems in letzter Konsequenz nur einem kriminellen Prinzip dient. Daß er im Grunde nur einem geisteskranken Monster zujubelt, dem sich die Menschen als Opfer darbieten, in dem sie dem Monster ihren spirituellen Kern und ihre lebendige Frucht und ihre heilige Haut hinhalten, damit das Monster sie aussaugen kann. Und es entlohnt seine Opfer mit Autos, Handys, Zucker, Pillen, Überraschungseiern und tausenden Begehrlichkeiten, die dafür sorgen, daß die Menschenopfer so werden, wie das Monster – das seine Opfer ganz nach seinem Ebenbild geschaffen hat –

Die Welt ist schön, sie ist voll von Menschen und sie sind die Energiepillen für das Monster. Denn es ist genauso eitel, feige und selbstbezogen wie seine Opfer, es spendet natürlich auch, das insgeheime Opfer, besonders das reiche und gesellschaftlich angesehene Opfer, es spendet für die Armen, geht auch in die Kirche, wählt auch die friedlichste Partei von allen, kauft nur noch die Aktien von Firmen, die sich „nichts zu Schulden kommen lassen“, ist auch immer ganz nett zu seinen Nächsten, sogar, wenn sie ihn anheucheln ist er nett und heuchelt zurück. Nett sein ist einfach.

Immerhin bleibt heutzutage wenigstens kaum mehr Zeit, der Gesellschaft noch gerecht zu werden. Denn man ist hierbei schon zwei Schritte im Hintertreffen, wenn man bedenkt, wie sehr man gezwungen ist, zunächst überhaupt der Gerechtigkeit gerecht werden zu können.

Auch als Schreiber ist man natürlich in solch einem heuchlerischen System gefangen. Besondere aktuelle Anläße nötigen den Schreiber umgehend zur Feder zu greifen, denn das ist seine Art, mit der Welt umzugehen. Hierbei leidet aber die Dichtkunst. Politische Themen und die verschiedensten verrutschten Weltbilder liegen ständig im Weg. Man glaubt, man müsse sie aus dem Weg räumen, bevor man sich wieder den wichtigen Dingen des Lebens, bzw. des Schreibens, zuwenden kann. Doch sie rauben einem nur die Energie und bringen den Dichter von seinem Weg ab. Je mehr er auf die aktuelle Lage schriftlich reagieren muß, desto mehr leidet die Dichtung. Nur wenigen gelingt es, sowohl den aktuellen Entwicklungen rhetorisch gerecht zu werden, als auch sinnreiche Dichtung zu verfassen, die man auch Jahrzehnte danach noch lesen kann.

Bei einer Zeitung will man sowieso nicht unbedingt landen. Schon gar nicht, um sich von dort aus mit der Politik zu beschäftigen. Über die Politik zu schreiben macht sie auch nicht besser. Fängt man an politisch zu denken, macht man sich zwangsläufig Feinde oder zweckdienliche Freunde. Gleichgesinnte nennt man sie. Doch die Sinne mögen eigentlich keine Kompromisse.

Was soll man sich mit der Politik und mit der Wirtschaft, und so mit den Leuten, die sich den Richtwerten willig und wissentlich unterwerfen, überhaupt noch auseinander setzen? Oder muß man sich mit ihnen auseinandersetzen, indem man sich mit ihnen zusammen setzt? Lieber möchte man wohl Abstand nehmen, denn das ist klüger, um der Gesundheit willen.

Als Schreiber ist die (zeitweise) Abwendung sowieso notwendig, weil er allein den Abstand zum Nächsten braucht, um zu sich selbst wieder zurückzufinden und aus der Distanz heraus wieder zu erkennen, was eigentlich Nähe ist. Aber auch als ein Mensch mit einer Seele, einem gesunden Freiheitsdrang und spirituellen Sichtweisen kann man sich mit großen Teilen dieser Gesellschaft nicht mehr vereinen, wenn man Teil eines höheren, heiligeren Prinzips sein möchte und sein Wesen im Ganzen wiederfinden möchte, dem zu dienen man eigentlich verpflichtet ist. Man kann es vermutlich erst, wenn man es nicht mehr möchte, sondern bereits ist.

Doch zu viele selbstgenügsame selbstergebene Sklaven sind hier unterwegs, die ihr höheres Wesen verleugnen und eine auf sich selbst angewandte Diktatur in ihren Köpfen spazieren führen. Sie machen alles kaputt, was nach Freiheit riecht, weil sie selber zu feige sind, sich für sie einzusetzen. Ihre angeblichen Sicherheiten widern mich an. Egal ob Versicherungen, Rentenversicherungen, „Lebens“versicherungen, „Kranken“versicherungen (was für ein Hohn!), oder allein völlig überhöhte Krankenkassenbeiträge, dazu hirnlose Schulabschlüsse, Examen, Diplome, Doktortitel, Orden, Reputationen, Autos, Aktien, Zweck-Ehen oder … ja, sogar Kinder.

Kinder sind Menschen, Kinder sind Engel, deine Kinder sind nicht deine Kinder, du hast deinen Kindern nichts vorzugeben, gib ihnen Sicherheit, ja, und Vertrauen, ein Vertrauen darauf, daß sie auch gekommen sind, damit du ihnen zuhören kannst, denn oftmals ist es hier das inneres Kind, um das man sich nie hat kümmern wollen, und jetzt ist es da, ein Wesen für sich, doch auch ein abgespalten Teil derjenigen, die hierdurch noch einmal die Chance bekommen, genau dorthin wieder zurückzufinden, zum inneren Kind. Also sei deinem Kind dankbar, daß es, als vorrangig und über die Maßen eigenständiges Wesen zusätzlich das Vergnügen, die Aufgabe, die Last, auf sich nimmt, euer Kind zu sein, seid dem Kinde dankbar und es wird es leicht nehmen und so auch freien Schrittes seinen eigenen Weg weitergehen können – und trichtert ihm nicht von vornherein all das ein, was ihr an euch selbst nicht bearbeitet hast – ach was für ein freudscher Tippfehler, was soll auch die Hast, da habt du dich wohl vertippt!

Doch zurück zum Kind: Übergebt es doch bitte nicht schon mit drei Jahren der staatlichen Obhut, Herrgott – und sobald ihr es irgendwann hergebt, beachtet die staatliche Obhut mit Argusaugen und nicht das arme Kind, dem alles mögliche unter Androhung von Bestrafungen (Noten) zum Erlernen aufgezwungen wird.

Wem dienst du eigentlich? Dem Rektor? Dem Reaktor? Bist ja selbst nur ein Reaktor. Reagierst ja nur. Wem dienst du eigentlich? Man muß kein Beamter sein, um sich das mal zu fragen. Man muß kein Künstler sein, um diese Beobachtung zu machen: Jeder halbwegs menschliche Mensch würde sich, wenn er ehrlich zu sich ist, wenigstens ab und zu mal fragen, wem er eigentlich am meisten dient, für was er eigentlich lebt und arbeitet. Für die da Oben, für die da Unten, für das Ego da oben, für das Ego da unten, für seine Frau, für ihren Mann, für seinen Mann, für ihre Frau, für ihre Kinder, für seine Kinder, für wessen Kinder überhaupt?

Man könnte sich schon beschämt fühlen, als einer, der meint, ein Künstler in so einer Gesellschaft sein zu wollen. Wenn man zum Beispiel eine Skulptur baut, egal was für eine, eine, die von einem Ideal spricht und die Menschen um sich herum versammelt, vielleicht eine römische, eine griechische oder eine germanische, egal was für eine – und wenn man diese in einem Park aufstellt und dann jemand kommt, der sie mit einer Sprühdose bearbeitet und sie der öffentlichen Meinung nach verschandelt – welcher Künstler wäre da nicht empört, beleidigt, verletzt? Jaja.

Hätte er sie doch nur in einem Museum aufgestellt, wo niemand sie beschmieren kann, denn da wird sie bewacht, denn da kommt nur derjenige rein, der Geld bezahlt, da darf nur rein, wer sich benehmen kann, dort ist die Skulptur sicher vor Schändereien. Jaja.

Armer eitler Künstler. Erkennst du denn nicht, daß deine Skulptur die Wahrheit anzieht? Sie steht nun im Park und wird beschmiert, ja und? Erkennst du denn nicht, daß sie zwar im Park steht, längst aber nicht im Freien? Siehst du nicht, wie nur die Unfreien sich ihr zu Füßen werfen und sie als ein Ideal anbeten – um dann wieder den Park zu verlassen und guten Gewissens weiter daran arbeiten, unfrei zu bleiben?

Erkennst du nicht, daß deine Skulptur auch diejenigen anzieht, die merken, daß hier etwas nicht zusammenpasst? Daß sie deine Figur eben deswegen beschmieren oder bemalen, weil sie sie verstanden haben? Daß sie aus den gleichen Gründen zu der Sprühdose greifen, wie du einst zu Hammer und Meißel?

Ja, da steht sie nun, deine Freiheitsgöttin, so aufrecht und schön und sie hält gar die lichte Flamme gen Himmel – ja, wie schön ist sie dir gelungen – doch es ist kein Ideal mehr, hier, in den Städten und Molöchern. Hier ist sie ein Hohn für manche Menschen. Sie kommen im Dunkeln und beschmieren sie mit modernen Parolen.

Schön ist es nicht, diese Schmiererei, es ist sogar tatsächlich eine Schande, die Arbeit anderer ungefragt mit eigenen Werkzeugen zu bearbeiten und sei es nur ein Spray. Doch sind es alles Vandalen? Sollen wir sie etwa bestrafen und von Ordnungshütern und Parkwächtern suchen lassen; oder sollen wir sie selbst aufsuchen und sie lehren, mit der Sprühdose genauso gut umzugehen, wie mit Hammer und Meißel, Pinsel oder Feder. Denn die eigentliche Arbeit ist nicht getan, wenn wir nur Symbole aufstellen, oder Parolen an die Wand schmieren – was eben das gleiche ist.

Was hängen deine Bilder also noch im Museum oder in der Gallerie, nimm sie runter, hänge Spiegel dorthin und kleb einen Zettel an die Wand, mit der Meldung, die Schnitzeljagd habe nun begonnen, der Kunst-Konsument müsse eben auch seinen eigenen Teil dazu beitragen und aktiv werden.

Wieso stellen wir unsere Kunst in den Museen ab? Sie muß raus und den Kräften der Bewegung überlassen werden, sie muß weiter gehen und die Gesellschaft herausfordern, deren Seele unterentwickelt ist. Stellen wir die Werke geistiger Entfaltung doch irgendwo auf einem Berg ab, damit die Menschen merken, daß man schon etwas dafür tun muß, ihr näher zu kommen, daß man schon einiges hinter sich lassen muß, um das Wesen der Freiheitsgöttin zu verstehen, daß es nicht reicht, mal eben nach dem Shoppen in den Stadtpark oder in ein Hochsicherheitsmuseum zu gehen, das Werk für drei Minuten zu observieren und mit intellektuell höchst anspruchsvollem Hirngeschwafel solange zu zerreden, bis die Wirkungskraft des Kunstwerkes vollständig verpufft ist, um sich dann wieder aufgeplusterten Egos und erleichterten schlechten Gewissens zurück in die Sklaverei zu begeben, dort forterzählend, wie sehr man doch gestern die Kunst gewürdigt habe.

Welchen Werten ist denn sonst deine Kunst dienlich, wenn nicht den gleichen, denen sich deine begeisterten Zuschauer untergeordnet haben? Sie haben für ein paar Minuten deine Freiheitsskulptur im Kopf, aber der Kopf ist längst verdreht und richtet sich weitestgehend nach einem kriminellen Diktat. Sie haben das kriminelle System ja schon verinnerlicht.

Die Gesellschaft hängt an den Fäden dieser kriminellen Strukturen und so ist jeder ein Schänder der Freiheitsgöttin, er hat nur nicht den Mut, die Sprühdose zu zücken. Ich habe daher auch kaum mehr Lust zu schreiben und geh mir lieber die Bäume im Wald anschauen oder mich auf andere Weise meinem Bewußtsein zuwenden, egal ob es für manche irgendwie zu spirituell klingt. Was sollen wir sonst sein, wenn nicht spirituelle Wesen? Politische wahrscheinlich. Politische Püppchen. Dann lieber spirituell.


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