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Macht macht muntere Menschen müde ist ein Kapitälchen aus dem vergilbten Büchlein „Wir sind das Phi“ in 2001 und ward etwas erweitert ca. 2007 aufgrund des aufkommenden facebook-Wahns 


Ziehe einer Vogelscheuche deinen neuesten Anzug an und stelle dich ohne Anzug nebendran, wer würde da nicht zuerst die Vogelscheuche grüßen?

Walden, H.D. Thoreau 1854

Macht macht muntere Menschen müde
verfasst im Jahre 2001+2007 (macht zusammen 4008)

Wer hat schon die Macht, fragt sich der Mensch. Was ist schon der Mensch, fragt sich die Macht. Zwischen Macht und Mensch sitzen die Medien. Sie haben die Macht, sich an die Menschen zu wenden, ihnen zu ihrem Wohl zu dienen. Sie führen den Menschen dorthin, wo die Macht sie haben möchte.

Wenn die Macht sie nicht hätte, hätten die Medien die Macht, der Menschheit zum Wohle zu dienen.

Und so wird berichtet was berichtet werden muss, damit das Volk auch glaubt, daß es so ist. Es wird in eine bestimmte Richtung hin berichtet, und selbst wenn es sich um eine wertfreie Berichterstattung handelt, so ist allein durch die Themen-Auswahl vorgegeben, was der Zuschauer erfahren darf und was er im Augenblick besser nicht erfahren sollte.

Die Nachrichten, die er besser nicht erfahren sollte, werden nur dann berichtet, wenn er nicht mehr tun kann, als sie einfach so hinzunehmen. Könnte er mehr tun, als sie einfach so hinzunehmen, dann wird allein durch die Art der Berichterstattung vermittelt, daß er es eben doch nicht kann.

Allerdings ist es nicht so, daß die Medien überwiegend immer nur lügen. Es ist besser, man schweigt sich über manche Themen komplett aus.

Lügengeschichten werden nur dann berichtet, wenn die Wahrheit droht, ans Tageslicht zu kommen. Ansonsten wird nicht gelogen, nein, es wird sogar von tatsächlichen Begebenheiten berichtet, damit die Leser ihre Aufmerksamkeit dorthin lenken. Und nicht in die Richtung anderer Tatsachen.

Besser sie wissen davon nichts. Drohen sie aber davon zu wissen oder etwas darüber zu erahnen, so wird dieser Ahnung zuvorgekommen. Man stellt die Dinge, die von einer Minderheit entdeckt, vertreten und befürwortet werden, in ein anderes Licht – damit die Minderheit von der Mehrheit angezweifelt wird.

Es ist daher unerheblich, ob berichtet wird, was wahr ist, oder ob wahr ist, was berichtet wird. Wichtig ist was wird berichtet, und vor allem wann wird es berichtet und ganz besonders ausschlaggebend wie wird davon berichtet.

Der Journalismus, den wir heute erleben, hält sich nicht an den Pressekodex. Den gibt es wirklich. Man hält sich nur nicht mehr daran. Der heutige Journalismus dient nur als Verteilerkasten der jeweils führenden Institutionen, Konzerne, Banken. Die führenden Medien sind der verlängerte Arm der jeweils vorherrschenden Macht. Es wird eben gegessen, was auf den Tisch kommt. An dieser Tischordnung hat sich bis heute nichts geändert.
2001

Doch des Volkes Medium ist das Internet. Nicht alles, was dort steht, muß immer gleich geglaubt werden. Es ist auch nicht relevant, welchen der beiden angebotenen Wahrheiten man mehr Glauben schenkt. Wichtig ist nur: Es gibt ein neues Medium. Offenbar scheint es neuerdings nämlich möglich zu sein, sich selbst Gedanken zu machen. Blöd ist nur, daß die Deutschen sich bei allem immer erst fragen, ob es auch erlaubt ist. Ich finde einige Komplexe ließen sich hierzulande auflösen, erteilte man von offizieller Seite mal ein Erlaubnisverbot.

Mut zur Wahrheit ist gefragt. Doch nicht nur. Mut zur Unwahrheit ist ebenso gefragt. Die Zeitungen und Nachrichten erzählen dir entweder etwas Wahres oder nicht. Ob du es glaubst oder nicht, spielt keine Rolle. Es geht nur darum, daß sie es dir erzählen. Also drehen wir doch einfach den Spieß um. Erzählen wir ihnen doch mal was. Am besten einen Witz, in dem sie die Hauptrolle spielen.

Mit der Zeit werden die von Fernsehsendern und Zeitungen verbreiteten Nachrichten dann nicht mehr als allgemeingültig hingenommen. Auch ihre Vormachtstellung wird in Frage gestellt sein. Das Volk möchte den Dingen nun lieber selbst auf den Grund gehen. Denn irgendetwas hat ja doch schon immer irgendwie gefehlt. Die Meinungsmacher werden nicht mehr für voll genommen. Das Volk wendet sich ab. Zunächst noch sprachlos.

Jeder soll vor der eigenen Haustüre kehren, sagt man. Fangen wir genau dort an. Schmeiß den Fernseher aus dem Fenster und schick die Zeitungen, die du per Abo beziehst, an den Verlag zurück. Vielleicht gebündelt, einmal im Monat, mit dem Vermerk, es wurde sich darin nicht an den Pressecodex gehalten, bitte um Besserung und etwaige Rückerstattung der entstandenen Unkosten. Wenn nicht, dann wirst du die Nachrichten künftig eben selber schreiben. Die Wahrheit, die seit jeher in den alten Büchern nachzulesen ist, wird nämlich neuerdings auch im Internet (v)ermittelt.

Du mußt dich nicht um die Weltgeschichte kümmern, wenn dein Kanarienvogel gestorben ist. Schreib von dem Kanarienvogel und deinen Empfindungen. Es gibt genügend Menschen, die das gleiche empfinden. Irgendeiner twittert im Augenblick bestimmt darüber.

Wenn du lieber nicht schreibst, dann lies von eben diesen Menschen, es gibt immer mehr, die es tun. Natürlich, da ist viel Eigengeschwätz dabei, viele Versuche, das Ego bestmöglich darzustellen, ohne dabei aber allzu sehr aus der Reihe zu tanzen. In angemessener Form stellen sie sich nur selber dar und bekleiden sich innerhalb diverser Gesichtsbücher mit den entsprechenden Markenfirmen. Jeder auf seine Weise aufs individuellste der unterwürfigen Gesellschaft angepasst.

Doch immerhin: Während sie sich darstellen, stellen sie sich. Also kann man sich an sie wenden. Ohne sich aufzudrängen, vielleicht mit einer höflichen Anfrage, ob sie nicht auch schon von dieser oder jener Heilversprechung dieser oder jener Kräuterlehre für den Hausgebrauch gehört haben. Oder von dieser und jener Petition, Aktion, Reaktion. Ansonsten machen Netzwerke wohl keinen Sinn.

Nicht nur sprechenden, auch schreibenden Menschen kann geholfen werden. Mit einem bewußten Gebrauch unserer Sprache in freundlicher Zuwendung zu anderen Menschen, ermächtigen wir uns selbst als Menschen, die etwas zu sagen haben. Was uns währenddessen von Oben diktiert wird, ist bestenfalls nur ein eintöniges Geprassel, mit dem versucht wird, uns nass zu machen. Davor müssen wir uns halt solange abschirmen. Kuscheln wir uns doch unter dem Regenschirm aneinander und flüstern uns wieder die Worte zu, die uns auf dem Herzen liegen.

Warum das Naheliegende dazu nutzen, um in die Ferne zu schweifen? Um nicht zu sagen: Was ist hängen geblieben, nachdem du den Fernseher ausgeschaltet hast? Neben der zeitraubenden Unterhaltung sind allenfalls ein paar wichtige Informationen hängen geblieben, doch letztlich ist man selber nur vor der Kiste hängen geblieben. Während andere gesprochen haben, hat man selbst zweimal zugestimmt, fünfmal nicht zugestimmt und sich ungefähr dreizehn mal darüber aufgeregt, daß sie immer denjenigen ins Wort fallen, denen man zugestimmt hat. Vor allem ist man selbst mal wieder überhaupt gar nicht zu Wort gekommen. Wer sich in diesem Dilemma noch befindet, dem sei eindringlich angeraten, den Fernseher für eine Weile zu meiden.

Nachdem zunächst vor der eigenen Haustüre gekehrt wurde, die regelmäßige Zulieferung des ganzen Informationsschrotts unterbunden wurde, beginnt nun der wahre Austausch von Informationen.

Was im Internet geschrieben und gelesen wurde, muß auch außerhalb davon kommuniziert werden. Mit dem Nachbarn, beim Bäcker, im Cafe, am Arbeitsplatz und so weiter, so daß die Ortschaft nach und nach belebter sein wird und die Kommunikation untereinander sich bis über die Orts- und Stadtgrenzen hinaus vollzieht.

Die Inhalte sind dem Internet zu entnehmen und hier geschickt miteinander zu verbinden, doch gibt es neben den wortgewandten Schreibern auch wortgewandte Redner – und auch sie werden nicht mehr lange schweigen.

Man wird sich im Gespräch zunehmend auch darüber austauschen, was man alles im Internet über alle weiteren Grenzen hinaus so gelesen hat, welche Möglichkeiten vorhanden sind, tatsächlich und tatkräftig an der Beseitigung von Ungerechtigkeiten und Mißständen mitzuwirken, neue Erkenntnisse zu erfahren und zu vermitteln und der Austausch findet am Staat vorbei statt. Die Fernsehsender und Zeitungen werden vielleicht auch noch gelesen, doch zunehmend als Parodie angesehen. Was bisher berichtet wurde und insbesondere was nicht berichtet wurde, wird deutlicher zutage treten, als es bisher überhaupt möglich war. Die Medien werden erkennen, daß sie über Jahrzehnte hinweg nur als Spielball der Mächtigen fungierten, während das Volk sich seiner Geisteskraft immer bewußter wird.

Die Mächtigen beziehen ihre Kraft, dadurch daß sie uns ermüden. Sie belasten uns mit ihrer Macht. Die Medien vermitteln uns über Wort und Bild, daß wir vom Schalten und Walten dieser Mächtigen abhängig sind, sie versuchen sogar zu verlauten, sie handelten zum Wohle des Volkes. Was das Volk dazu sagt, interessiert jedoch nicht. Was es empfindet interessiert noch viel weniger.

Vielleicht sagt es noch immer nicht deutlich genug, was es empfindet. Kraft der Sprache, ob nun geschrieben oder gesprochen, veräußert sich das Empfinden des Volkes – wenn es wieder lernt, für sich selbst zu sprechen.

Das Bewußtsein, diese Kraft zu haben, ist eine Macht. Diese Macht ist nicht ermüdend, sondern erhebend, denn es ist eine Kraft. Sie wird bezeugt durch unsere Sprache und es ist eine Geisteskraft.

Dieser Geisteskraft müssen wir uns wieder bewußt werden.
2007

Der Einfluss der Medien auf spätere Reaktionen und Handlungen der Menschen, die langfristig zu automatisierenden Verhaltensweisen der Mediengourmets, dies alles ist mittlerweile ein durchlöcherter alter Hut und das Ziel den meisten schon bewusst. Man erkennt es daran, dass einige Medien sich schon selbst nicht mehr ganz so ernst nehmen, bzw. sich als solche verkaufen. Doch was bedeutet diese Selbstironie zum Schein? Haben sich die Menschen von infiltrierten Unterbewusstseins-Befehlen freimachen können und gehen wieder mit offenen Augen/Sinnen durch die Welt? Nein. Sie sehen sich weiterhin die Nachrichten, die Filme, die Serien und die Werbeblocks an, wie ein Raucher der Geld in den Zigarettenautomaten wirft. Warum? → Zusatzstoff 2005: Man kann zwar immer noch Geld einwerfen, aber vorher muss die EC Karte eingeführt werden, damit, zum Schutze der Jugend, das Alter des Kunden überprüft werden kann. Und der Kontostand gewiss auch

Lassen wir nur für diesen Moment einmal die Vorstellung zu, die Welt um uns herum ist/sei eine bloße Scheinwelt. Nicht eine Welt, die wir uns nur einbilden, die gar nicht existent ist, sondern ähnlich einer Kulisse, die in einem bestimmten Zeitrahmen um uns herum aufgebaut wurde und an deren Gestaltung wir fleißig mit geholfen haben.

Tatsächlich gibt es einen Kinofilm, der mit diesem Thema experimentiert. (Die Truman Show) Die Hauptfigur in diesem Film ist ein ahnungsloser junger Mann, der einer Arbeit nachgeht, Freunde hat, einkaufen geht und so weiter, bis er mit der Zeit jedoch herausfinden muss, dass er als einzig Nichteingeweihter den Hauptdarsteller einer eigens für die Medienwelt erschaffenen Kulisse spielt, während die ganze Welt, in diesem Fall die USA, ihm bei allem was er tut, zusieht. Das Vorhandensein der unzähligen sichtbaren und unsichtbaren Kameras, den daraus resultierenden Verfolgungswahn und der Schicksalslauf des Mannes, der am Ende bis an die Grenze der ganzen Inszenierung stößt, wird plastisch gemacht durch eine riesige lebendige Innenwand, die ihm den Ausweg versperrt. All seine Vermutungen und Ahnungen werden hier bestätigt. Am Ende an der Kulisse angelangt, erkennt er, dass alles und jeder bloß Teil einer riesigen Inszenierung war. Letztlich, so real die Menschen um ihn herum auch waren, die Autos, die Häuser, die Restaurants und nicht zuletzt die Empfindungen gegenüber seinen Freunden und seiner Freundin, letztlich verlor alles seinen Sinn, denn im Grunde war es nur Teil des Drehbuches und Futter fürs fernsehende Volk.

So verhält es sich für uns natürlich nicht, denn das war ja zum Glück nur ein Film. Wir sind keine Hauptdarsteller von öffentlichem Interesse und allemal nicht so interessant, dass eine Produktionsfirma eine Milliardenkulisse um uns herum aufbauen würde. Allerdings muss auch niemand mehr Milliarden dafür ausgeben, denn diese reale Scheinwelt existiert bereits. Sie existiert insbesondere in unseren Köpfen, da sie sich nur noch mit den Dingen beschäftigen, die uns von den wahren Erkenntnissen fernhalten. Erkenntnisse, die ein völlig anderes Leben ermöglichen könnten, fernab jeglicher Vorstellungskraft at that time. Begriffe wie Zufall, Schicksal, Eingebung, Licht, Sinn, Energie, Seele, Existenz, Liebe, Kraft, Geist und Glück würden hier den Schleier ablegen und begrifflich, nein, greifbar werden und nicht mehr in die Schublade für Abstraktes, Unlogisches, Unerklärliches, Esoterisches, Übersinnliches gesteckt werden, da sie der grundlegende Teil unserer Lebensführung wären. Noch sind wir abhängig von den tausend Dingen, die uns durch unser Leben zerren, doch auf diese Mittel, diese Führer dürfen wir uns nicht mehr verlassen, da sie uns in die Irre leiten können, mehr noch als je zuvor, denn wir ahnen die Umwandlung mittlerweile, und wie schwer wird es sein, wenn wir sie erst wissen. Wir müssen akzeptieren, dass diese Verführungsmittel ausgedient haben. Noch nutzen wir sie, wie einen Kompass, doch dieser Kompass ist veraltet, mit einer Batterie betrieben, die nicht mehr im Verhältnis zu unserem Energiebedürfnis steht, einer Batterie, für die wir einen Supermarkt aufsuchen müssen, um sie auszutauschen. Doch dieser Supermarkt liegt am Ende des Weges und unser Weg nach Hause, von wo aus wir erneut unsere instinktive Suche nach Glück starten, ist so weit entfernt, dass wir schon die Hälfte der Energie verbraucht haben werden und die verbleibende Kraft niemals ausreichen wird, uns an die wahren Plätze des Lebens zu führen, sondern nur wieder zurück in den Supermarkt.

Und hier warten wieder die tausend verlockenden Dinge auf uns. (Folgetext: → Exkurs in den Supermarkt)
2001


→ Macht macht muntere Menschen müde ist ein Kapitel des längst vergilbten Büchleins Wir sind das Phi