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25. Nov. 2001
 in 2009 teils im Ausdruck verbessert, hat aber auch nichts genutzt


Der Kampf um das menschliche Bewusstsein findet zur Zeit in einer Art kaltem Krieg statt. Die eine Partei, die Lebenspartei, appelliert auf direkte Art an die Menschen, in dem es Botschaften an die Seele verschickt. Die andere Partei, die Nebelpartei, baut sich genau davor auf oder klopft von der anderen Seite an und winkt trällernd mit knallig bunten, nach Schokolade schmeckenden Bits und Bytes. Und dafür sind verkümmerte Seelen und Geister besonders anfällig. Diese Nebelpartei schleicht sich auf digitaler Ebene in unsere persönlichsten Privaträume, während die Lebenspartei ihre Stellungen nur noch in den Erholungsgebieten gesichert sieht, um hier in aller kürzester Zeit zu versuchen, uns an die wahren Dinge des Lebens zurück zu erinnern, doch müssen wir meist schon wieder gehen, bevor wir uns überhaupt annähernd dafür öffnen konnten. Die Bereiche des Alltags hat die Nebelpartei fast komplett für sich erobert, sie ist dort am stärksten, wo es ihr gelingt, uns oberflächlich zu begeistern.

Ihr Ziel ist jedoch Gleichschaltung, Verhinderung der individuellen Ausrichtung eines jeden Menschen in Zugehörigkeit mit dem höheren Ganzen. Denn freigeistige Individuen kann man nicht steuern und wer sich nicht steuern lässt, ist für einen aus Menschen bestehenden Großcomputer nicht zu gebrauchen. Und wenn alle Menschen Teil dieses Computers sein sollen, dann muss man sie langsam daran gewöhnen, sie mit einbeziehen, sie ausprobieren lassen, Spaß haben lassen, kleine Geschäfte mit ihnen machen, ihnen ein gutes Gefühl geben, sie ihren eigenen Chef spielen lassen, der alles von seinem Schreibtisch aus steuern und unter Kontrolle haben kann. Man hat seine Bankgeschäfte unter Kontrolle, kann an Versteigerungen Teil nehmen, Reisen buchen, Zeitung lesen, Filme sehen, Musik hören, verlorenes Wissen erneuern, seine Fotos entwickeln und dabei aus Versehen sein gesamtes Privatleben formatieren, und es macht sogar Spaß.

Folglich muss man sie alle immer mehr hineinziehen, so dass sich ihre Verhaltensweisen den vorgegebenen Bit-Strukturen anpassen, bis sie sich schließlich unterordnen, um sich darin orientiert zu verlieren. Dann kann man mit ihnen arbeiten, denn die absolute Kontrolle über diese so nach Einmaligkeit und Freiheit schreienden Menschen kann man nur dann kriegen, wenn man ihre Eigenarten auslöscht, ihnen eine andere scheinbare Form der Freiheit bietet und sie mit Spaß und Freude daran teilhaben lässt. Nur die, die man kontrollieren kann, erfüllen die Erwartungen eines nach Macht lechzenden Ungeheuers.

Während die kulturellen Unterschiede überschrieben werden und europäisch verblassen, die Eigenarten angeglichen werden, die Privaträume öffentlich werden, die Gemütlichkeit sterilisiert wird, sprechen viele von der Vereinigung der Menschen, während andere, die sowieso daran glauben, zu dem Brief mit sieben Siegeln zurückkehren möchten.

Also musste dieses Ding erfunden werden, das jeder benutzen kann und jeder auch benutzen will und mit dem man gleichzeitig Kontakt aufnehmen kann, zu denen, die irgendwann das Opfer darstellen sollen, nachdem sie selbst für die Weiterverbreitung und Finanzierung dieser Mittel sorgten.

Wie kann es eigentlich sein, dass SMS und E-Mail fast gar nichts kosten? Wundert das niemanden? Oder hat noch nicht jeder ein Handy und Internetanschluss? Oder hat noch nicht jeder in der modernen Welt sein Privatleben mit dem Handy (Internet) verbunden? Hier macht man sie abhängig und zieht sie immer weiter hinein, ohne ein einziges Kabel zu verlegen.

Dann legt man den Hauptschalter einfach um.


→ Netzhaut ist ein Kapitel aus dem Büchlein Wir sind das Phi