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„Der Hauptaffe in Paris setzt eine Reisemütze auf, und alle Affen in Amerika tun das gleiche.“

-Walden, H.D. Thoreau, um 1854-

Und die Affen in Deutschland auch.

Es gibt dennoch viele einfallsreiche Nebenklänge innerhalb der Werbeblocks, teilweise sind sie sogar unterhaltsamer, als die auf den gleichen Effekt abzielenden Spielfilme und Serien.
Doch da der Großteil der Konsumenten (jeder Konsument beginnt mit dem Konsum schon vor der Kaufentscheidung) neuen Produkten eher kritisch gegenübersteht, ist die Manipulation über diese Werbefilme allerdings gar nicht so wirksam, wie man es gerne hätte. Dafür gibt es dann eben die Spielfilme und Fernsehserien.
Eines der wirksamsten Schaufenster ist immer noch der Fernseher und wird es wohl auch bleiben, bis er vom Internet abgelöst wird und da gestaltet sich gezielte Werbung schon schwieriger. Denn schließlich läuft an diesem Fenster jeder vorbei und viele Marktschreier kämpfen darin um die besten (Sende-)Plätze.
Keinem Hersteller kann man einen Vorwurf daraus machen, sein Produkt gezielt anzuwerben und seine Verkaufsmethode dem jeweiligen Kunden anzupassen, d.h. ihn davon zu überzeugen, daß seine Produktpalette eben genau das bietet, was der Kunde gerade zufällig braucht. Der Hersteller weiß aber, wann der Kunde welches Produkt braucht und stellt die gewünschten Waren zur rechten Zeit in das Schaufenster.
Die Medien sagen uns, was in der Welt passiert, was dort passieren soll, damit es so bleibt, und wie wir uns zu verhalten haben, dieses zu unterstützen. Mehr nicht. Entscheidend dafür ist der Konsum dieser Nachrichten und der Konsum der daran angeglichenen Produkte und Sendungen zur jeweils rechten Zeit. Denn es sind nicht allein die Werbefilmchen, die der Verblödungsindustrie als Markt dienen, sondern sind es insbesondere die Nachrichten, Dokumentationen, Spielfilme, Talkshows und Serien, insgesamt also die ganze weite Welt der Fernsehens, in der den Menschen vorgesagt wird, welche Produkte, welche Meinungen, welche Weltbilder, welche Gedanken und welche Gefühle sie zu kaufen haben. Das kostet Geld und es verdienen die Wenigsten daran.
Wie kann aber ein solcher Markt funktionieren, wenn doch Millionen von kaufbereiten Menschen anwesend sind, und tausende verschiedener Produkte innerhalb kurzer Zeit an Mann, Frau, Kind und Kegel verkauft werden müssen?
Denn, und das wäre ganz im Sinne dessen, der den Marktplatz besitzt, auf dem sich die Marktschreier tummeln: die Verkaufsstände müssen regelmäßig Profit abwerfen, damit sich die Pacht überhaupt lohnt. Kein Marktplatz könnte die Massen zufrieden stillen, wenn es an jedem Stand das Gleiche zu kaufen gäbe, kein Kunde würde sich einer Werbung unterziehen, wenn er nicht das Gefühl hätte, er könne zwischen verschiedenen Angeboten und Programmen auswählen und sich innerhalb einer bunten Angebotspalette austoben. Und das weiß der Händler, denn gleichzeitig ist neben den Grundbedürfnissen ein Verlangen nach individuellen Wünschen vorhanden und dieses würde sich millionenfach gestalten, wenn der Kunde den Markt bestimmen würde.
Dem ist natürlich nicht so. Der Konsument könnte den Markt beherrschen, tut es aber nicht, weil er bloß reagiert. Keine Firma würde normalerweise Millionen elektronischer Zahnbürsten bauen, weil sie einen zufälligen Wunschtrend innerhalb des Volkes dahingehend erkennt. Denn ein solcher Wunsch wird eher selten von einer breiten Masse gleichzeitig geäußert – es sei denn, man hat vorher flächendeckend nachgeholfen.
Das Produkt, ob es nun der Allgemeinheit gut tut oder nicht, muss vorher umworben werden, vorher, das bedeutet, bevor sich der Wunsch danach breit macht und natürlich erst dann, sobald das Produkt hergestellt ist, und zwar in Massen.
Ähnlich geschieht es mit den unvorhergesehenen Wünschen und den ewigen Sehnsüchten der Menschen, wie spirituelle Geborgenheit, Wege der Selbstfindung, Wundermittel, das unbewußte Verlangen nach innerem Reichtum, höherem Bewußtsein, etc. und pipapo und was das blöde Volk sonst noch glaubt, wiederentdecken zu müssen. Dann wird schnell reagiert, damit der Strom der Wünsche Richtung Wirtschaft fließt, nicht Richtung Gott, Universum oder an welche höhere Macht auch immer sie glauben.
Die Gebete der Menschen wurden schon immer gerne in die Richtung der Machthabenden umgeleitet. Doch auch diese Wünsche entstehen nicht zufällig und es gibt Zeiten, da sind sie besonders stark spürbar. Im Frühling sehnt der Mensch sich nach anderen Dingen, als im Herbst. Und im Herbst sind manche Wünsche leichter zu erfüllen, als im Frühling und umgekehrt. Auch hier gilt: Derjenige, der die Gemütszustände in Abhängigkeit zu den universellen Einflüssen studiert hat, hat die Nase vorn und bestimmt das Rennen. Er weiß ganz genau, wonach zutiefst verlangt wird. Er muß ja nur die Horrorskope lesen.
Und selbst wenn gar keine Wünsche vorliegen, ist es der Anbieter, der das Kaufverhalten bestimmt, bzw. das Mahl vorbereitet, welches frisch auf den Tisch kommt, damit es zur rechten Zeit gegessen wird. Denn manchmal quillt der Kartoffelkeller über und dann dauert es nicht lange, bis in allen Zeitungen nachzulesen ist, wie gesund zur Zeit wieder die Kartoffeln sind, besonders passiert das so in den Staaten, in denen mehr Überfluß als Mangel herrscht. Diese Konsumprodukte werden aber nicht nur saisonbedingt extraordinär angeboten, wie man es vom Spargel oder den Kirschen her kennt, sondern oftmals sind es auch Batterien, Knöpfe, Bügeleisen, Toastbrot, Hühnersuppe, Radios, Funkwecker, Bilderrahmen oder sonst noch ein Schwachsinn, der sich hin und wieder in den Lagerhallen stapelt, mengenmäßig überproduziert wurde und plötzlich überall zu sehen ist oder in aller Regelmäßigkeit in irgendeiner Fernsehserie nur so am Rande erwähnt wird. Ganz besonders diente eine lange Zeit der Tatort dafür, bei dem seit dem Verbot von Schleichwerbung statt Produkte eben Meinungen und Verhaltensweisen zum Nachahmen verkauft werden. Um einen Krimi geht es da seit jeher nur zweitrangig.
Die Frage ist, wo kommen all die Produkte so plötzlich her, wenn es nicht der Fall ist, daß Millionen von Menschen gleichzeitig ausrufen: Wir hätten jetzt gerne einen digitalen Fotoapparat! → Zusatzstoff 2007: Zeit dieses Schreibens gab es noch ein vielseitiges Angebot für mechanische Fotoapparate
Die Antwort darauf kennt doch jeder: Die Wirtschaft bestimmt den Trend. Die Wirtschaft bestimmt den Markt, die Wirtschaft bestimmt die Medien und Konzerne bestimmen die Wirtschaft. Die Politik haben sie auch in der Hand und der Konsument ist die Ware. Ob Produktkurzfilm, schwachsinnige Mainzelmännchen, hirnverbrannte Nachrichten, Blondinen-Wetter-Show oder Neurosen-Filme, das alles gehört zur Abteilung Werbung. Die Medien sind die Werbekataloge der Wirtschaftskonzerne.
Ergo: Nicht die Wirtschaftsmacht verkauft ihre Produkte über die Medien an die Menschen. Die Medien verkaufen den Menschen an die Wirtschaft und somit an die Macht. Denn das zu verkaufende Produkt ist der Mensch.

Ist doch logisch, wo das hinführen wird.


Ausflug in die Medienlandschaft ist ein Kapitel des Büchleins Wir sind das Phi

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