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→ Stand by me aus dem Jahr 2001 ist ein Kapitel aus dem 
vergilbten Büchlein Wir sind das Phi

„Ich weiß: Die meisten Menschen denken anders als ich, die aber, die ihr Leben aus Berufung dem Studium dieser oder verwandter Gegenstände widmen, sind mir am fernsten. Staatsmänner und Gesetzgeber, die so völlig innerhalb ihrer Institution leben, können sie nie klar und deutlich erkennen. Sie reden von einer Gesellschaft, die in Bewegung ist, haben aber keinen Ruhepunkt außerhalb derselben. Vielleicht sind es Männer mit Erfahrung und Urteil, sie haben zweifellos geistreiche und sogar nützliche Einrichtungen erfunden, für die wir ihnen aufrichtig danken; aber all ihr Witz und ihre Brauchbarkeit bleiben innerhalb gewisser, nicht sehr ausgedehnter Grenzen. Sie vergessen gerne, daß die Welt nicht von der Politik und der Nützlichkeit regiert wird.“
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, H.D. Thoreau, 1849

Sind Fernsehen oder Stereoanlage auf Stand-By gestellt, so heißt das noch lange nicht, daß alles ruht. Während diese Lampen leuchten, und das sollen sie ja immer dann, wenn die Geräte nicht in Betrieb sind, verdient sich der Patentbesitzer eine leuchtend rotgoldene Nase. Und wir bleiben vor dem schwarzen Bildschirm hocken, während wir uns fragen, wie kann der Fernseher aus sein, wenn er doch an ist, und wieso schalte ich ihn nicht gleich ganz aus, wenn ich schon Strom sparen will? Wieso baue ich das rote Lämpchen nicht gleich aus und schick es an den Hersteller zurück?
Doch es ist besser, die Dinge so anzunehmen wie sie sind. Der Hersteller ist sowieso nicht immer gleichzeitig der Patentbesitzer. Und wer kann von sich schon behaupten, er profitiere nicht von den Errungenschaften der Militärforschung? *(Zusatz im Kommentar)
So verhält es sich mit vielen Erfindungen unserer schnelllebigen Zeit. Der Elektromotor der elektronischen Zahnbürste, der Laser des CD Spielers, die überspielbare CD-ROM, das Magnetband, die Tütensuppe, die Thermoskanne, das Licht im Kühlschrank, der faltbare Wanderstock, der Teebeutel mit ausklappbarem Campingstuhl, überhaupt vieles aus dem Survival- und Trecking Bereich und so weiter, alles schon da gewesen, bevor auch wir es endlich benutzen durften. Alles war bereits vorher erforscht und entwickelt für die Belange der Soldaten, der Astronauten und der Geheimdienste, und nicht etwa um das Volk zu belustigen. Das ist nur der ertragreiche Nebeneffekt. → Zusatzstoff 2006: Der tragbare Mp3Player, Internethandy mit Live-Kamera war zur Zeit dieses Schreibens noch nicht für Volkes Hände bestimmt, bestimmt aber schon entwickelt und in der Wüste ausprobiert.
Und lassen wir uns nicht für dumm verkaufen: Natürlich hat auch der modernste Computer auf unserem Ikeatisch schon ausgedient, bevor wir ihn überhaupt richtig genutzt haben. Er ist auch gar nicht dazu gedacht, daß wir alle Funktionen optimal nutzen, das werden dann schon andere zu tun wissen.
Was stehen uns doch für wunderbare Geräten aus dem Bereich der Kommunikationstechnologie zur Verfügung, denken wir. Wir haben das Telefon dem Vorgänger der Morsegeräte zu verdanken, sowie wie wir das Handy dem Telefon zu verdanken haben, das Handy wird internetfähig, der Computer wird durch den Laptop ersetzt werden, der Laptop wird internetfähig und kabellos, das Handy wird sich mit dem Laptop vertragen, der Fotoapparat mit dem Computer, das Handy wird zum Fotoapparat, der Fernseher wird der Computertechnologie angeglichen und so weiter. Wer hier noch denkt, einzig und allein das Morsegerät sei für das Militär oder der verschlüsselten Informationsverbreitung in Krisenzeiten entwickelt worden, hat den Faden nicht weiter gesponnen. (Weiter gehts 2019: Damals noch Science-Fiction, heute bereits Realität: Was hat uns Hollywood voraus? von Nomi78, bei dudeweblog am 28.01.2019)

Ein Gerät ist deswegen noch nicht auf dem Markt, weil es anderweitig noch benötigt wird. Es ist schon lange entwickelt und erst wenn es ausgedient hat, mit anderen nicht mehr mithält, an der Front nicht mehr bestehen kann, dann kann es dem Volk zugänglich gemacht werden. Jedes Gerät, das wir neu erwerben, ist im Grunde schon uralt. Wir erwerben es auch nicht wirklich, sondern tauschen es nur um.
Kaufen, umtauschen und Danke sagen. Es ist Krieg und alle machen mit.
Wir sind die Resteverwerter eines Systems, das zur Beihilfe des Machterhalts anderer sämtliche natürlichen Ressourcen der Erde ausschöpft, nicht damit alle daran teilhaben können, sondern damit die Maschinerie des Wahnsinns weiterläuft. Dabei wird aber besonders ökonomisch gehandelt. Das System verschwendet nicht.
Nicht nur bis zum letzten Tropfen Öl wird geschöpft. Die wunderbaren Quellen der Erde bieten noch viel mehr. Das Tier wird bis zum Wahnsinn weiter gezüchtet, um es in unmenschlichen Mengen zu vertreiben. Vom hochwertigen Steak bis zum bürgerlichen Schnitzel, bis hin zum Ochsenschwanz. Die Entsorgung der Reste würde die Verkaufsbilanz schmälern. Also müssen die Innereien, die Haut, die Knochen, die Ohren, die Zungen, die Augen mit Hilfe unbekannter Geschmacksverstärker vermischt werden, damit alles zusammen auch schön nach Mord-Tadella schmeckt. Gepresst und als hauchdünne feine Scheiben geschnitten (für die Kinder sogar mit lustigen Gesichtern besonders nett gemacht) dekorieren wir damit unseren Wurstteller und köpfen guten Gewissens die Eier von garantiert frei laufenden Hühnern.
Nicht nur diese laufen manchmal kopflos durch die Weltgeschichte.


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