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Werkschau Berichtsheft:
Erste Live-Schau 04.04.2019: 2870 Wörter
Nachfolgende:
Juli 2019: 19.07/23.07/28.07. = 4566/5832/5789 Wörter
August 2019: 14.08. = 5899/6049 Wörter


INHALT: 
Vorwort - Folgewort--- Hauptstück ---
Pt. 1,2,3 1,2,3

Sumpfgeschicht Teil III.

Hier geht es in die vorangegangenen Teile der Sumpfgeschicht
und die darin verteilten Kapitel der Schreiber-Ordinance:

Sumpfgeschicht Teil 1
 Sumpfgeschicht Teil 2:
CAPITUL I, Von der Frage, ob vermittelst der Schreiberei nicht mehr als eine
kurzweilige Gemüthserquickung herbeigeführt werden kann
(Sumpfgeschicht Teil II: General Schreiber-Ordinance, 1. Cap.)

CAPITUL II, G.W. Leibniz: Ermahnung an die Teutsche, ihren verstand und sprache
beßer zu üben … (Sumpfgeschicht Teil II: General Schreiber-Ordinance, 2. Cap.)

CAPITUL III, Von der Einbürgerung ausländischer Worte in den deutschen
Sprachgebrauch (Sumpfgeschicht Teil II: General Schreiber-Ordinance, 3. Cap.)

↓ Sumpfgeschicht Teil 3:

 

Vorwort

Im Zuge der Wiederaufnahme meiner Sumpfgeschicht – und somit weiteren Auszügen aus der darin befindlichen „General-Schreiber-Ordinance wider die Schreibtischrebellion“, dem Machwerk meines sagenumworbenen Herrn und Brötchengebers UFvO, möchte ich dem Leser zunächst einen Einblick in eine der verborgensten Ecken der Literatur- und Sprachwissenschaft verschaffen und ihm hiermit zwei der steilsten Thesen aufs Lesepult legen, die jemals in diesem Gebiete aufgestellt wurden. Es handelt sich um zwei kurze Passagen aus …

Zitate: morhof, schottel

Meine nachfolgende umfassende Abhandlung ist gleichsam eine Kritik an den deutschen Lieraturbetrieb,
vielleicht auch an die Philologen dieses Landes;
doch vorweg sei Ihnen gegenüber
meine Vermutung insoweit entsprochen, als daß
in den geisteswiss. Instituten und Universitäten
all das hier Besprochene längst gesichtet,
behandelt und behandelt wurde- diese Gelehrten sind also
 von meiner Kritik verschont. Weitaus
mehr ziele ich auf den Literaurbetrieb für
„den einfachen Mann“ ab,
demach: Stadtbüchereien
Buchhandel
Verlagswesen
Feuilletons aller großen Zeitungen
Leserschaft
Lehrer aller Klassen

Diese haben nämlich allesam ihre Aufgabe dann verfehlt,
wenn sie die nachfolgenden Autoren mitsamt ihrer
Werke nicht kennen, nicht lesen, nicht behandeln
nicht besprechen, nicht drucken, nichtmal erwähnen
nicht anwerben.
allein dem j grimm, doch ich setze vor Grimm an;
und ohne jene wäre auch Grimm
nicht so weit gekommen; sein Werk in allen Ehren, doch mit vielem Unterscheid.


Folgewort

Pt1

Es war die späteste Stunde vor Sonnenuntergang, da erwachte ich aus einem ewigen sekundenlangen Schlaf, den Kopf per Stirn auf der Schreibtischkante abgelegt.
Um mich herum lag der größte Papier-Haufe aller Zeiten; bestehend aus etlichen Manuskriptbögen, Notizblättern und sonstigen Schmierzetteln, allesamt beschrieben mit jener schimmerigen Eisen-Gallus Tinte, so wie sie meinem Herrn & Brötchengeber UFvO zu Eigen ist und mit dessen davon vollbeschmiertem Materialium ich mich gerade noch als sein anbefohlener Hofschreiber damit abgerungen hatte, es alles in eine lesbare und verständige Ordnung zu bringen.

Die Papierstapeln waren mir im wahrsten Sinne des Wortes zu Kopfe gestiegen, denn so hoch waren sie allemal, daß mein eigner Kopf dahinter ganz verborgen lag. Ich wollte ihn nun aufgrund plötzlich merklicher Luftknappheit flugs herausheben, doch war er so schwer, daß es eine Weile daurete, bis ich ihn, so auf die Handflächen abgestützt, in sicherem Gewahrsam hatte und mir eben so ellenlang fortdaurend immer sicherer wurde, daß er noch zu mir selbsten gehörte.
Auch mein eigen Gesicht fand ich bald wieder, doch war es einigermaßen erschröcklich, auf welche Weise es mir vorstellig wurde; denn, so sahe ich es plötzlich auf einer der Manuskriptseiten unter mir schemengleich durch die reflektierende Tinte wie aus einem spiegelichtem Papiere mir entgegenschimmern – dazu noch war es durch leeren Abstände zwischen den beschriebenen Zeilen regelmäßig aufgefächert, so wie das vielleicht bei einer Grünflächigen Wiese ist, die hinter etlichen Lamellen einer halb aufgeklappten Jalousie dann nur streifenweise im Auge des Betrachters liegt.


Pt2

Nachdem ich nun die vielen Manuskriptbögen, Schmierzettel und anderen Papierzettel von einem Haufen auf den anderen immer wieder neu über einandergelegt, versuchte ich mich zunächst dem nächsten Capitul anzunähern, dessen anfängliche Abschrift von nur wenigen sauber gestellten Zeilen ich hiermit wiedergebe:

Auszug aus der Nothwendigen General Schreiber-Ordinance wider die Schreibtisch-rebellion und was dergleichen Crisen mehr gewesen – CAPITUL IV
Eine Transkription von Jermain Foutre le Camp nach der handschriftlichen Urfassung
von Urbald Freiherr von Oberhand

Allen Hochgebohrnen/ Hoch-Wohlgebohrnen/ Hochwürdigen und Wohgebohrnen/
wie auch Hoch- und Wohl-Edlen/ Hoch- und Wohlgelahrten/ Hoch- und Wohlweisen, gnädigen und hochgebietenden Herren, Respective deren Erb-Herrn Nachguckern, Nachplauderern, ohrenpausenden, honigschmierenden, referenz-erhaschenden, hinterherhumpenden, rockzipfel-zupfenden, hacken-lechzenden Hohlwohlgelehrten Gross-Naseweisen und durch deren Sondergelehrten und Supergelahrten viele Lehren

genarrten
Gelehrten,

derentwegen ich diese General-Schreiber-Ordinance unter das hellleuchtende Leselicht zu setzen mich mitsampt meines Scribenten allein zu de zwecke aufgeopfert, mir die Freyheit nehmen zu dürfen erbitte, denenselben insgesamt gegenwärtiges Tractätlein (816 Seiten) zu Hoch- und Wohlgeneigter Beurtheilung zu überreichen!

Nachdeme wir beim Austeilen einiger lectiones für die Schreiber, Tintenmeister, Tastentänzer und dergl scribenten in Beiwesenheit eines gewaltigen Haufens mitlesenden Volks schon einigen Applausum gefunden haben, und ihm nochmals die Warnungen vor die Augen stellten, was bei Verrichtung schöngeistiger aber auch polit. schriften als nohtwendig zu erachten sei, wollen wwirhm gleicher Maßen die Pflicht auferlegen, sich um solche Auctoren und Sprachgelehrten Werke anzunehmen, die ihm hierzu allzu notwendig studiert zu haben vorgeschriebe werden, bevor er sich selbsten über die Schriftsprache an einen Leser wende, wie bereits in den vorläufigen Capituln zu unserer erfüllten Bedingung verhoffentlicht geschehen. 
es war darin nicht unbedeutend zunächst auf die vergessenen Schriften des Hrn Leibniz hinzuweisen (der den meisten Menschen heute zu Tage in der Erinnerung nur noch in Gestalt eines Butterkekses bekannt ist), als dann auch auf den ehrenwerten J.H. Campe sowie seinem Zeitgenossen Adelung, welche beiden die deutsche sprache nach ältisten Regulen neu gestalteten und worvon wir heute noch Spuren ihrer Qualität erkennen, soweit diese auch leider! durch den Missbrauch nachkommender Generationen wieder vernachlässigt worden.

so hat 

der Scribent diese und mehre für seine Leser auszugraben und fein herzurichten, damit sie wieder ans Tagelicht geraten und von der Verlegerschaft desto leichter gesehen werden, nicht damit sie sich, ebenso wenig wie wir, darüber etwas einbilden, sondern der Autorum Arbeiten und vor allemderen Inhalte mitteilbar herausbilden. Denn wenn der Inhalt eines Werkes von einer solchen Werthaltigkeit ist, daß es aus sich selbst heraus glanzt, bedarf es keiner glatt polierten Orden um sie dem Verfasser um den stolzen Hals zu hängen, damit es wieder wirkt; durchaus aber der Wieder-Holung seiner Werke durch die Werke selber, was durch unser Beitun nur mit Zitationen und unter Erwähnung seines Namens geschehen kann, nicht aber damit dem vergesslichen publico ein preiswürdiger Kopf wieder von oben herab ins ehrfürchtige Gesichte strahlt, sondern damit der Leser von der wertvollen Beschaffenheit des Inneren durchs vague Er-innern eine ungewisse Bekanntschaft mit der ins Werk gesetzten elementaren Substanz macht, so wie es ja auch geschieht, wenn er durch ein Dickicht von Gesträuchern wandelnd über den Duft angeknickter Lorbeerblätter derselben gewahr und angezogen wird, diese sotan abzuernten und über seine gewöhnliche Speise zu streuen, statt sie mit viel Abstand zu umschleichen, im Glauben sie gehörten kranzweise um irgendwelche Ruhmesköpfe geflochten und gingen ihn selber nichts an…

(grabengraben, s170)


Pt3

… Diese obigen Zeilen hatte ich nun gerade mehr schlecht als recht aus Hrn Ufos Geschmiere abgeschrieben und halbwegs damit eine Einleitung ins vermeintlich Nachfolgende berwerkstelligt, da klöpfte es wieder ebenso ungemein gegen das Schlosstor, wie es in dieser nachhalligen Zudringlichkeit → ganz zu Beginn dieser Sumpfgeschicht schon einmal geschehen war. Resultierte daheraus, daß es sich nur um den windigen Eilpostrenner handeln konnte, der die Dringlichkeit, eben so wie sie auf der mitgelieferten Post stempelweise aufgedrückt war, durch das entsprechende Klopfen gegen des Empfänger-Tor gleichsam intentiös übertrug.

Ich aber befande mich gerade im Leseturm hinter meinem Schreibetisch im Zustand eines Rausches und war gar nicht gewillt zu öffnen oder gar mich zu erheben; blickte dann nach einigen Minuten hinaus auf den Garten, den ich ebenfalls anzulegen und tüchtig hinzupflanzen befehligt worden (was der Gartenlustige Leser  → hier einsehen kann).
Da aber traute ich meinen Augen kaum und wollte ihnen auch nicht trauen, waren sie doch weniger vom Vertrauen erfüllt, als von Trauern noch betrübt, nämlich weil mein sehr vermisster Herr und Brötchengeber doch unlängst und wie angekündigt dies leidige Jammertal der Welt hinter sich gelassen und „ins ewige Ruhekämmerlein versetzet worden“1.

Diese betrübliche Nachricht hatte er jedenfalls immer in seinem Werk auch durchscheinen lassen, welchselbiges ich ja gerade erst für ihn ins Reine geschrieben und über welche Arbeit ich von seinem Abgang erst erfuhr. Nun aber, wie ich so andächtig da hinunter blickte, halluzinierte ich mir offenbar Undenkbares hirnbei, denn so gewahrte ich eine reichlich abgemagerte Figur durch den Garten wandeln, ja gerade zu ätherisch wehen –
es schien mehr so eine Silhoute eines Schattens zu sein, als ein Körper im Ganzen, und dennoch erkannte ich eindeutig meinen vermissten Herrn irgendwo darin wieder. Zudem ward er begleitet von seinem Hund, dem es aber vortrefflich erging, denn er sprang in vollem Geblüt lustig von einer Seite zur anderen und es schien, als hätte nicht sein Herrchen ihn, sondern der Hund sein Herrchen an der Leine, jedoch wie einen wippenden Luftballoon am Faden, so wenigstens erschien es mir, wie er da durch die Turnerei des Hundes ungefähr zwei Ellen über den Boden schwebend immer hin und her mit fortgerissen wurde.
Hierbei rief er immerzu Mon Dieu! Mon Dieu! hüpfte ein letztes Mal hoch um auf den Knien zu landen und grabbelte dann inzwischen der Büsche herumber: „Herrlecamp diese Schriftzeug müssen Sie noch aufdröseln ! Herrlecamp, Kuckuck! Wo sind Sie denn, ja wo sind Sie denn? Sind auch Sie unterzwischen etwan in die Natur übergegangen?“, rief er dabei.

Aus diesem Tun ermittelte ich, daß er nach Anklopfung an das Schlosstor mich abwesend vermutet hatte und nun in im Kraütergebüsch nach mir suchte, was weniger Sinn ergab, als vielmehr seiner Verwirrnis Ausdruck verlieh.

Ich wollte dann Meldung tun, wo ich mich befande, aber da war er schon über die Gartengrenze hinaus fortgestobert und im dichten Waldgebüsch verschwunden.

Hauptstück

ich eröffnete darnun das Haupttor und fand davor gelegt zwei Paketi, davon allerdings das größere auf das kleinere gestellt worden war, daran ein Zettul mit den Worten „An den Tintenmeister“. Mir schien sogleich, daß mir über die sonderbahre Anordnung der Pakete angedeutelt werden sollte, welches der beiden ich zuerst zu eröffnen hätte und welches hernach sich als Folge auf das Erste deto besser aufzufassen sei.

Es war so ungemein schwer, daß ich bei Anhebung fast vornüber stürzte, und das konnte nur bedeuten, daß Papier darin war, denn zu welchem Zwecke sollte mir jemand schon Steine, Blei, Eisenplatten, Keramikfliesen oder meinetwegen eine Auswahl an Pistolen aufdingen, denn was solle ein Tintenmeister schon mit dergleichen Gegenstände anfangen? zumal er sich ja selber daran abgeschleppt, habe müsste.

die Sendung enthielt 2 große Schreiben: eine liste mit werken dazu ein buch mit einem zettel daran: Heidegger 1698 – Mythoscopia Romantica

Kurzum, mit diesem und nach vielfacher Durchwälzung seiner unzähligen noch weiteren Manuskriptzettel, da stieß ich auf  folgende Order, die er mit extrablauer Tinte neben seine sonstigen Ausführen geschrieben hatte, ich habe mich als sein Skribent und Kopist zunächst mit dem Werke des Herrn Schottel oder Schottelius zu befassen, bevor ich überhaupt zum Griffel greife:

Nun ist die Zeit gekommen, meine reise in luftigere Gefilde anzutreten allwo ich mich auch meiner tituln zu entledigen gedenk, um wieder unter meinem würklichen Namen anzustecken, kehre ich einmal anhero zurück und übergebe meinem Scribenten den Schlüssel in die erste deutsche Sprachbibliothek vernunftiger und gleichwohl schöner lesbarer Schriften, welche ich selbst zusammengestellt und nicht allerdings sämtlichst gestudieret habe; dies überlasse ich meinem Scribent, ist er doch der die Worte setzt, derweil ich die Reguln setze, nach deren principi er seine Worte zu setzen hat. Zuvorderst hätte er sich folgenden Schrifttümern zuuzuwenden, um dann deren weitere circa 700 Schriften auszuarbeiten:

Manusskriptbögen sichten und einfügen

dazu überlasse ihm den Leseturm als eine Unterkünft, da es auch den Vorteil des kürzsten Weg hinab ins Schriftengewölbe bietet, allwo die Werke lagern, die zu studieren ich ihm hiermit anbefehle

verpflichte ihn ab dato der Herausgabe des ersten Capituls zu folgenden Arbeitschritten:

Bitte auch Herrn Schottels Anweisungen ferner zu betrachten, S103 sowie der erneuten Erinnerung an JH.Campe

Gleichwohl solle ich weiterhin seine Manuskripte in eine verständige Ordnung der Materie bringen, was ein Ding der Unmöglichkeit darstellt, hat er doch kaum etwas davon nummeriert, datiert oder strukturiert – was er selber auch zugibt, im Übrigen aber seien eben diese Worte eindeutig Fremdworte und könnten als solche gekennzeichnet werden, in dem wir sie führohin als nummerirt, datirt und strukturirt schrieben, um als entlehnt somit gekennzeichnet zu haben. Damit nähereten wir uns auch der Schreibweise des Hrn. Schottelius an und könnten, was er tatsächlich vorhatte, die eine oder andere Sentenz aus seinem Werke original abkupfern und als die unsere (die seine) ausgeben. Daß ich diesem Unding nicht Folgschaft leiste, das habe ich im vorherigen Kapitel schon dem Leser versprochen und werde es auch hier beibahlten.

Versuch einer 1. Annäherung:

Joachim Heinrich Campe

Es mag unnütz und überholt erscheinen, wenn wir, wie es im Folgenden häufig geschehen wird, zur Analysis der gegenwärtigen Literatur und Sprachentwicklung allerhand sehr alte Schriften heranziehen und mittels darin getroffener Feststellungen und Sichtweisen, die doch nur im Kontext auf damalige Zustände und Prozesse zu betrachten wären, einen Vergleich mit der heutigen Beschaffenheit der Literatur und Sprache aufstellen. Doch es ist allein die Vielzahl damaliger weitsichtiger und kluger Denker und Gelehrter die eine Heranziehung ihrer Werke notwendig macht, wenn wir bedenken, daß es an diesen wie solchen des heutigen Tages leidlich mangelt. Wer sich heute neben dem alttäglichen Gebrauch auch beruflich mit der seutschen Sprache befasst und sei es nur in indirekter, vermittelnder Weise, wie die Buchhändler, Verleger und andere Mediatoren, der wollte, wenn er es denn ernst und ehrlich meint, sich solcher Autoren, Gelehrten und ihren Büchern & Schriften zuzuwenden, die leider zugleich keiner heute mehr kennen will – und sich dannenhero zu fragen, warum das denn so ist, wenn doch ihre Lehren und sonstigen Arbeiten nicht weniger qualität und Wert haben, als zum Beispiel sagen wir einmal Goethe oder Grimm, deren Werke immerhin noch teilweise erhältlich sind. .Anders verhält es (neben etlichen anderen – hier eine Liste) sich mit J.H. Campe und J.G. Schottelius, von denen nichts mehr bekannt ist, außer daß vielleicht ein wissenschaftliches Institut ihren Namen trägt, die aber allergrößte Aufmerksamkeit darüber hinaus verdient hätten, da sie auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft und, in Campes Fall besonders, der Entwicklung deutscher Sprache insgemein – die wichtigste Vorarbeit für alle Nachfolger geleistet haben. Schließlich hat J.H.Campe, noch vor Grimm, das bis dahin umfassendste Wörterbuch vorgelegt, und hinzu 100e deutscher Wörter, für die es bis dahin nur französische oder lateinische Begriffe (im deutschen Sprachgebrauch) gab, selbst erfunden oder bereits erfundene hier in einem Wörterbuch der deutschen Sprache vereint, zudem längst vergessene wieder belebt und ebenfalls beigefügt. Eine Vielzahl dieser Begriffe benuten wir heute noch und zwar eben seit dem. (hier haben wir bereits davon geschrieben). Seine Werke sind aber allesamt nur antiuarish zu finen (wenn man Glück und Geld hat) oder eben in solchen Originalausgaben in Universitätsbibliotheken gelagert und dort nur zum Teil für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. Nun aber bekommen wir z.B. auf dem E-Book-Portal des Georg Olms Verlags, der seinen Fundus speziell Bibliotheken und wissenschaftlichen Institutionen anbietet, das folgende über J.H. Campes Werk angezeigt:

„Joachim Heinrich Campes (1746-1818) Lebenswerk ist das umfangreichste Wörterbuch der deutschen Sprache (vor Grimm) und enthält fast anderthalb Mal soviel Einträge wie das Adelungsche Wörterbuch. Es stellt die wichtigste Erfassung des deutschen Wortschatzes der Klassik und Romantik dar und ist deshalb bis heute ein unentbehrliches Arbeitsinstrument.“ Quelle: Titel Informationen zu Joachim Heinrich Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache, Georg Olms Verlag, http://www.olmsonline.de/index.php?id=met&no_cache=1&IDDOC=22398

Es wird also mit Recht festgestellt, daß es ein „unentbehrliches Arbeitsinstrument“ ist, und somit erfüllt der Georg Olms Verlag durchaus seine Aufgabe als Verleger – zumindest in soweit, als daß er diese Werke der Wissenschaft zur Verfügung stellt, sei es durch Einsicht in die Originale oder eben durch Herausgabe digitalisierter Fassungen. Andere Verlage, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, bedeutsame Werke auch für die lesende Öffentlichkeit zugänglich zu machen, bereit zu stellen und eben zu drucken, diese verfehlen demgegenüber ihre Aufgabe völlig. Warum die Werke des einzigartigen Universalgelehrten Leibniz nicht mehr verlegt werden, das haben wir hier und hier unter hinreichenden Andeutungen sicherlich geklärt. Warum aber wird Herr Campe nicht verlegt oder wie man klugdünkender Weise heute oder unter der neumodischen Intellektuellen-Kappe sagt, warum „findet er nicht statt“ (wobei Statt wiederum eigentlich wenigstens groß geschrieben werden müßte, wenn man sich schon damit aufspielt)? Warum sollen seine Werke nicht im Schulunterricht behandelt werden, geschweige denn auf dem Büchermarkt überhaupt erscheinen, damit vielleicht von dort aus eine intellektuell verirrte Lehrkraft zufällig darauf stösst und es dann wengistens am Rande seines aufgezwungenen Lehrplans vor den Schülern erwähnt? Schließlich hat Campe, zwar keine mythologisch verzweigten Märchen und Schreckgeschichten, doch aber auch durchaus Kinderbücher und Jugendbücher geschrieben, zum Beispiel dieses …… oder dieses …. um nur wenige zu nennen. Und schließlich hat er diese auch mit einiger guter Kenntnis von der Kindheit und der Jugendzeit geschrieben, wenn man hinzu bedenkt, was er an pädagogischer Literatur desweiteren verfasst und in die Lehranstalten gebracht hat, zum Beispiel dieses … dieses … dieses… oder dieses. Nun, wem diese Bücher vielleicht etwas altmodisch vorkommen, der mag sich davon in so manchem Punkte nachvollziehbarerer Weise zunächst abwenden wollen, doch ist er sicherlich noch mehr der Meinung, die neue Form der Pädagogik, insbesondere pervertiert durch die Genderschaft, sei gut für Kinder, sei gut für Heranwachsende und sei auch gut für die Sprache und Kultur, sei gut für alles, sei allesgut, allesgut, allesgut. Die sicherlich teils altmodischen Ansichten des Herrn Campe würden dem ebenso sicherlich zuwider laufen. Nun hat Campe aber eines eben verstanden. Kultur, Sitte und Sprache gehören zusammen und allen Bereichen kann man ablesen, wie es um den anderen Bereich steht, daher gehören alle Bereiche gepflegt und jeder einzelne mit dem besten Verständnis und Gefühl für die anderen Bereiche durch verantwortungsbewußte Kräfte geschützt und gefördert. Von der kindischen Schmierlappen-Leberwurst Politik sowie den durch die Genderschaft bereits dem Untergang geweihten Wissenschaften ist solches nicht zu erwarten.

Übrigens:

Titel: Ueber die Nothwendigkeit Kinder frühzeitig zu anschauender und lebendiger Erkennt
Autor:Stuve, Johann
Verlag:Schulbuchhandlung
Ort:Braunschweig
Jahr:1788
Hrsg Campe

Schottel

Von Joachim Heinrich Campe gehen wir zurück zu Justus Georg Schottel oder Schottelius; dessen hochbedeutsames Werk wird Campe doch sicherlich gelesen haben.

Einschub: Ebenso dürfte Campe (im gegensatz zu den heutigen Gelehrten) auch folgende Werke gelesen haben: → Bedeutsame Werke und Schriften, die zu Gunsten aller Schüler in den Lehrplänen noch einzurichten und im Deutschunterricht zu behandeln wären, UFO-Privatbibliothek, Jan. 2018, unveröffentlicht)

Nach dem Althochdeutschen, Mittel- und Frühhochdeutschen haben wir inzwischen auch das Hochdeutsche überwunden, was wir heute verwenden ist das Neudeutsche, also im Prinzzip eine neue Form der deutshen Sprache. Diese hat sich im Laufe der Jahrhunderte stets gewandelt und das ist auch recht natürlich, sofern es nicht programmatisch oder institutionell herbeigeführt wird, sondern sollen Sprachinstitute und Lehreinrichtungen die Entwicklung im Sprachgebilde beleuchten, nicht aber willentlich verändern oder Einfluss darauf nehmen. Ein weiterer natürlicher Einfluss auf die Veränderung einer Sprache geht durch die geographische Lage des Landstriches mit einher, zudem befördert oder eingeschränkt durch die Abgrenzung oder Öffnung des darauf befindlichen Staatsgebiets gegenüber nachbarlichen Gebieten. Die Sprachentwickelung eines Volkes oder einer Landbewohnerschaft ist in allen Bereichen steten Wandlungen ausgesetzt und übernimmt-


Weiterer Auszug aus der Nothwendigen General Schreiber-Ordinance wider die Schreibtisch-rebellion und was dergleichen Crisen mehr gewesen – CAPITUL IV Eine Transkription von Jermain Foutre le Camp nach der handschriftlichen Urfassung von Urbald Freiherr von Oberhand

Glücklichster Leser,

welchen so zu nennen ich mir wenigstens für die Zeit seiner Lektüre der nachfolgenden Erzählung herausnehme; wird es ihm doch weniger Gemütsbewegungen verursachen, als dem Schreiber, der diese ungeheuerliche Geschichte ja noch vor der Niederschrift im wirklichen Leben gänzlich durchlitten und hernach noch in Worte abzusetzen versucht hatte; woran sich der Leser entweder im sicheren Abstand vergnüglich laben oder schlichtweg gleich wieder abwenden möge, da er doch selbst ein Leben hat, in das er sich gänzlich verlieren und wiederfinden möge, an Statt auf der Suche nach Gottweißwas durchs hinabgefallene Blätterlaub eines verirrten Schreibers zu steifeln, ohne je an eine Lichtung zu gelangen, was zu vermuten steht, da nämlich weder dieser Lese-Pfad noch ein anderer an eine solche führt.

Es ist dieser Pfad zum Felde der lteraria germania in sich derart zweigsweise verworren und alle Zweige längst auch verdorren, daß es keinen vernünftigen Leser jemals interessieren dürfte, sich dahinein zu begeben – es sei denn, er wäre ein wahrer Bücherfreund. Jedoch einer aus dem Volke, und meineswegen noch ein Gestudierter; aber wohl kaum ein Gelehrter, sowie auch kein Verleger, Buchhändler oder Autor der nämlich – unter dem ganzen Laube, das ich ausgestreuert – viel urwüchsiger Wurzelen würde gewahr werden, deren er sich zuwenden würde, hätte er sich dem gleichem Felde tatsächlich zu seinem Berufe verschrieben, und sich stets vor Augen hielte, daß er sich zu allererst die Sprache zu ehren und zu achten verpflichtet habe. Denn das ist sein Werkzeug, ein Werkzeug ist ein Gebrauchsding, auch wenn er es für ein Kunsthandwerk benützt. Zudem ist aber die Sprache, entgegen aller landläufigen Meinung und Lehre, ein Mittel der Natur. Sie hat ihre Wurzeln in der Natur und die Natur hinwieder hat ihre Wurzeln im Hochgeistigen, im großen AllesWasIst, wie es manche nennen, oder im AllesNichtsOder, wie wir es nennen.

daß die historia literaria Literaturgeschichte ohne Erforschung der Sprache also der Sprachwissenschaft keine ist und so auch nicht zur Erkenntnis über die natürlichen Wahrheiten kommen kann, wenn sie ihre Sprache nicht kennt
Friedmann, S85, p72
und entsprechend umfassend: schottel
s87

und alle Geisteswissenschaften der Literaturgeschichte unterzuordenen sind,
da die Literaturgeeschichte aber ohne Sprachwissenschaft nichts wert ist, auch die anderen Gisteswissenschaften zu keinem erhellten Ort beim Erforschen des Feldes führen wird (selbst die „kirchenhistoria ist nichts anderes als…“ s104

Denn so ist die Sprache eingebunden in das Regelwerk der Natur, gleichwohl schon entfremdet, da abgezweigt in die Verstandeswelt (worüber die Sprache sich letztlich ihren Ausdruck verschafft, zumal im Schriftlichen). Dennoch führt diese Tatsache unweigerlich zu der Annahme, daß ein solches Regelwerk zwar eigenen Gesetzen zu folgen hat, mithin aber dem Naturgesetze gehorcht, wenigstens da, wo eine Wurzelverbindung noch zu vermuten ist. Und diese Wurzelverbindung ist immer auch in (je)der Sprache zu finden. Sie aber zu finden, das ist inzwischen oftmals wie Wasser in der Wüste suchen – wir entdecken allenfalls eine Fata Morgana, und diese mag dann manch Einem davon erzählen, daß es so etwas wie eine „Ursprache“ gegeben hat; jedoch – gleich vorweg gegriffen: Es kann keine einzige allein gewesen sein, denn sobald auch nur ein Wort gesprochen wurde, ward schon für neue Abteilungen des selben Wortes gesorgt und dem Verstande nach folgten daraus bereits die ersten Ableitungen, … usf.

sowie aus jacob fried bemerkten Mangel an damaliger Literaturgeschichte, welche auch heute eben diesen Mangel bis heute nicht behoben.

D.G. Morhof

Der erst Deutsche der von dem Nutzen der Literaturgeschichte geschrieben hat, ist D.G. Morhof; (Friedemann, s121) daher gilt es, sein Werk zu studieren.

Werk
Titel:Versuch einer Einleitung In die Historiam Literariam; Jacob Friederich Reimmans
Jahr:1708

Autor, Herausgeber:
Titel:
Untertitel:
Seitenanzahl:
Erscheinungsort:
Verlag/Drucker:
Erscheinungsjahr:
Fundort/Standort:
Signatur:
Online-Ausgabe:
Titeldaten, OPAC:
Angaben zum Autor:

(s165 arzneykunst=ungesund)

 

Gleich drauf folgt Heinrich Meiborn, für den das gleiche gilt – NUR EBEN WELCHER? Meiborn heinrich? s129 Gerade das herauszufinden kostet Aufwand und Mühe, denn es ist kaum etwas über ihn verzeichnet, und hat man ihn gefunden, so bleiben einem die Werke versperrt und dies obwohl er mit der wichtigste unter allen ist, oder wie Friedemann eben sagt: Zitat …s122

Meibom, Heinrich (der Jüngere

nicht der Ältere, von dem dieses ist: 1621 H Meibom, Widukindus

folgt

Daniel Sanders

1879 Sanders Deutsche Sprachbriefe

1885 Ergänzungswörterbuch der deuschen Sprache, Vervollständigung und Erweiterung aller bisher erschienenen deutsch-sprachlichen Wörterbücher einschließlich des Grimm’schen, Mit Belegen von Luther bis auf die neueste Gegenwart

1894 Sanders Wörterbuch der Hauptschwierigkeiten in der deutschen Sprache

folgt

Kolbe, Carl Wilhelm

Da gehen wir gleich zehn Schritte weiter und berühren die Gedanken des im Lande völlig unbekannten CWK, dessen vortreffliche Baumzeichnungen wohl noch bekannt sind, seine Schriften zu Sprache aber desto weniger, nämlich gar nicht und auch gar nicht zu erhalten. Zitiere aus einem der wenigen zugänglichen Werken das folgende:

Mein Lebenslauf und mein Wirken im Fache der Sprache und der Kunst

Ja, und warum ist von diesem Herrn Kolbe nun nichts gedruckt? Ich entnehme einen möglichen Grund dafür aus seiner eigenen Schrift, einer Passage über den bereits oben und hier behandelten preiswürdige Arbeit des Herrn Campe:

„“
s.22

Jacob Friederich Reimman

Titel:Versuch einer Einleitung In die Historiam Literariam; Jacob Friederich Reimmans
Jahr:1709
Kollektion:Wissenschaftsgeschichte
Digitalisiert:Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen


Was für ein Licht wirft das alles aber auf unsere Verlegerschaft? Gar keines, sie stehen im Dunkeln und so ist dieser Text ein kleines Leuchten zum Wege dortheraus

Doch nun, was die Annäherung an die Natur betrifft, da findet sich in seinen Zetteln und Bögen allerhand von dem Herrn Schottel, so wie zudem auch in vielen anderen mit älteren Werken ehenmals angesehner Gelehrte, die von UFvO häufig passagenweise eingepflochten worden und mit welchen ich mich zuvorderst abzuringen habe.

zitat: „Da eben unsere deutsche Sprache auff gewissen Gründen festiglich beruhet / und in die Wurtzelen der Natur gepflanzet ist: wie solches S10, P. 29, Die erste Lobrede von der Teutschen HauptSprache (begreiffet die Veranlassung/ den Inhalte und Ordnung dieses OPERIS, und was von allgemeinem guten Gebrauche in der Sprache/ auch von den Kunstwörteren oder terminis artium anfangs zuerinnern.)

Folgendes wird aus allerhand Authoribus, wie noch itzund die Wurzelen oder Stammwörter (Radices) der Teutschen Sprache fast in allen üblichen Europeischen Sprachen sich finden lassen“

.. daß „in anderen Sprachen solcher Gestalt ncith zufinden ist / wie dessen Beweistuhm in diesem Buche vielfältig wird zuvernehmen seyn.“ P 33

So hat es auch die lat Sprache gehalten: „Es läuft aber mit dem Lateinischen darhinaus/ daß die anfangs Wortarme Sprache durch Fleis / Untersuchung und Werthaltung der embsigen Römer gnugsam bereichert/ und der treflich Wertreichen Grichischen Sprache artige Nachsprecherin worden. P41

Daß es aber des Schreibers Pflicht ist, diese ungeheuerliche Geschichte nach Durchlebung nochmals in Worte zu bringen, das steht schon in den vorausgegangenen Artikuln festgeschrieben, welche ursprünglich eine T des Werkes hätten sein sollen, das ihm sein obiger Herr und Brötchengeber als ein M hingeklatscht, um es in bester Ordnung frisch herauszubringen.

„ipsos germanos indigenas crediderim minimeque aliarum adventibus et hospitiis mixtos Tacitus: Germania – Kapitel 2 Die Germanen selbst möchte ich für Ureinwohner halten und durchaus nicht durch die Einwanderung und den Aufenthalt anderer Völkerschaften vermischt

Es hat Wolfgang Hunger ein sonderliches Buch / vindicatio linguae Germanicae genant / Anno 1586. heraus gegeben/ dessen gantzer Inhalt dahin gerichtet/ daß die Frantzösische Sprache nicht allein was viele Wörter/ sondern auch den Grund und die Arten zureden belanget/ guten teihls aus dem Teutschen sey: Welches auch nach der Länge und ausführlich bewiesen/ Besoldus, Lazius, Goropius, Aventius ff S 124, 3.“

Lingua germanicae vindicatio contra exoticas quasdam, quae complurium vocum et dictionum mere germanicarum Etymologias ex sua petere sunt conati, erstmals posthum 1586 veröffentlicht

 

(Die Erzählung wird an dieser Stelle noch fortgeführt)


Ab hier:

Unterbringung derjenigen noch einzusetzenden Manuskripte, Schmierzettel, Papierbögen und sonstigen Notizen, die Urbald F.v.O mir aufgetragen, verständig ins Werk zu bringen. (Mit einer stets sich ändernden Form ist ab hier zu rechnen)

 


Anderer Teil – Begründung des Fürstentums

Selbst in einer Monarchie/Alleinherrschaft ohne jede parlamentarische Repräsentation ist es zumindest theoretisch möglich, dass ein Herrscher sein Leben lang politische Entscheidungen trifft, die von der Mehrheit des Volkes unterstützt werden.

Besehen wir uns doch hierzu nur einmal die schlichte Lage unseres dienstwilligen Hofscribenten, maaßen wir ihn ja nur hier auf diesem Gebiet erreichen können – so auch seine Leser, zu deren Ergötzung wir im Laufe dieses Capituls übrigens noch einige solcher Kostbarkeiten mehr ans Tagelicht stellen werden; Findet also unser Hofscribent unter meiner Regierung nicht eine Obrigkeit, die zwar dem weltlichen Machtgefüge ohnmächtig gegenübersteht, ihm aber wenigstens auf diesem Gebiete noch zwischen den wertehaltigen und verwerflichen Stoffen der uns umgebenen Welt desto besser zu unterscheiden verhilft? Könnte er in meiner allhero befindlichen und aus diesem Gefilde herausragenden Figur nicht jemanden erkennen, der ihm gegenüber zwar höher gestellt ist, dies aber bloss, um ihm als ein Vorbild zu dienen – demnach zu resultieren, wer in Wahrheit eigentlich wem dient? Das schließlich dürfte und sollte die grundlegende Idee eines kleinen Gemeinwesens sein, von welchem wir den Weisesten hier bloß einen Fürst nennen.

Und könnte ich ihm nicht nur deswegen in diesem Sinne dienen und für ihn als ein verlässlich richtmaas gelten, weil er in mir einen ehr-lichen und aufrechten Obrigkeitsherrn erkennt, der ihm gegenüber nur deswegen so hoch gelangte, weil er täglich unter Beweis stellt, um die Wohlfahrt seiner Untertanen bemüht zu sein, und, wofern es ihm nicht ausreichend gelänge, um das Abwandern derselben zu bangen hätte? – woraufhin auch sein Gebots-Gebiet ausdermaßen abschrümpfte, daß er darauf nur noch den Platz für die eigenen Kartofflen zu pflanzen hätte, da seine vormaligen Leut sich allmählich verflüchtigten, um sich auf eines anderen Herrn Gebietsschaft das complizierte Leben verwalten zu lassen.

Dürfte aus diesem Vorbildnis nicht der eine oder andere erlernen, daß auch er es u.U. besser hätte, wenn er einem Provinzfürsten diente, als einem fernen, unerreichbaren Machtgefüge, das ihn vielleicht in steter Sicherheit wiegelt – tatsälich aber nur mit scheinbaren Sicherheiten, die ihn nur in Unsicherheit halten, demgegenüber er aber für seine Freiheiten keinen Finger rühren wird – zumal ein solcher Provinzfürst, sofern er vor Gott versagt, viel leichter durch einen mehrheitlichen Bescheid zu stürzen und zu ersetzen wäre, als eine irgendwo in der Ferne ja doch nur sich selbst stets mit allen Mitteln in Sicherheit wiegelnde GroßMacht? Dannenhero dörfte es bei unserm Exempel zwar ebenso zwingend erforderlich sein, daß jedweder Inwohner sich dem Gebot seines Landesgebietsfürsten zu fügen hätte, doch würde sich dieser, zumal im ständigem Vergleich mit den umgebenden Gebietschaften, nicht umso mehr bemühen, seinem Gefolge die desto bessre Lebensgrundlage stets schmackhaft und verlässlich an zu bieten? Es gäben sich auf diese Weise doch allesamt ihre beste Müh auf dem eigenen Landstrich, damit niemand in ein Elend gerät oder dewegen das vermeintliche Glück in der Ferne sucht, wonach auch aus keinem anderen Landstrich ein zu großer Elendsstrom anhero rückte, sondern bestenfalls kleine lustige Besucherströme hin und wider wanderten, um sich ihre jeweiligen Qualitäten gegeneinander vorzustellen, an deren Herausbildung sie durch das Vorbild ihrer weisen Räte und – nur im selbst beantragten Schutzfall mithilfe dortheraus gebildeter verlässlichler Policey – täglich mit Freude und in inniger Verbundenheit arbeiten.

Daher zu schließen, ein jeder beginne im nächstliegendsten Gebiet innere Ordnung und Angenehmlichkeiten zu schaffen, von wo aus er sich desweiteren ebenso aufgeräumt hinausbegeben und seinen noch notleidenden Mitmenschen aus eigener Macht heraus wird behilflich begegnen können, derweil jene die dort nur rasend, rotzend, randalierend durch die Straßen ziehen, als Pflegefälle zu bezeichnen sind, die einer weiteren Weisung durch den weisen Rat nach Anzeigung bei deroselben Policey bedürften. Daß sie aber für eine in der ferne alles obwaltende Grossgebieterschaft zur Störung des Friedens selbstbewusst werdender Gebiete als ein dort eigens hineingeschmissenes Geschmeiss durchaus erwünscht sind, ist offenbar.

Wollen uns also nicht gleich vor dem Gedanken verschließen, unter der Führung einer uns dienenden Oberschaft gestellt zu sein. Denn auch wenn manche leser verständlicher Weise ihren Zweifel an den von Hrn. Leibniz geschätzten Fürstenstaat hegen, erinnere ich daran, daß schon einige Zeit zuvor mancherorts immerhin festgeschrieben stund, daß:

„die unterthanen im lande nicht sclaven, und mit leib und gut so blos hin ihrem herrn eigenthumlich ergeben seyen, sondern das sie regieret, und in gehorsam gehalten werden, wie Freygebohrne, und unter seinem rechtmäsigen regiment, zu ihrer leibes- und seelen wolfahrth versammelte leute, von einer christlichen, und an göttliche, natürliche, und des reichs rechte angewiesenen obrigkeit von rechtswegen geschützet, und in acht genommen werden sollen“, …etc.

So schrieb einst Seckendorff* über seinen gedachten Fürstenstaat, wiewohl auch ich aus angeborner Güte und Mildtätigkeit geneigt und bemüht bin, meinem in viele Zweifel gefallenen Schreiber zu solcher Wiederaufrichtung zu verhelfen.

[*Veit Ludwig von Seckendorff: Teutscher Fürsten-staat, 1656. Anderer Theil, Cap.IV. §1: Von der Maasse der Landes-Fürstlichen Hoheit und Regierung, welches aus etlichen Rechten und befügnissen der stände und Unterthanen des Landes und Fürstenthums herkömmet, etc.]

Auch sonst hat Hrn Seckendorffs Schrift einiges zu Gunsten der Freigebohrenen für sich, was ich künftig an meinem Hofe auch meinem Untertan gegenüber zu beherzigen gedenke. Als par Exempel zum Beispiel dieses:

„§5: Fürs dritte, sind die unterthanen der teutschen landesherrschafften bey ihren hab und gütern dergestalt berechtiget, das der landes-herr nicht macht hat, dieselbe ihnen, wie etwa in tyrannischen oder sonst eigenmächtigen harten herrschafften geschehen mag, gantz, oder zum theil, seines gefallens zu nehmen, oder mit andern renthen, zinsen und rechnungen, als die von alters her, oder aus neuen rechtmäsigen urssachen darauf gebracht sind, zu beschweren, und also dieselben nach seinem gutdüncke zu schätzen und zu belegen. …“ „Denn es bezeigen die geschichte der lobwürdigsten Teutschen regenten, wie sich dieselbe von alters her also tapfer, gewissenhafft, treu und embsig in ihren hohen beruff des obrigkeitlichen amts erwiesen, das die unterthanen vermercken und spühren können, wie ihr angeborhner natürlicher erb-Herr, nicht nur den blossen nahmen und titul, sondern auch die verrichtung und last des regiments auf sich habe. Hingegen geben die exempel anderer lande, im fall die landes-herren sich ihrer regierung nicht unterziehen: sondern andern unnöthigen sachen obliegen, und alles an die diener lassen, oder gar zu lange ausser landes sich aufhalten; das durch solche versäumnis ihres beruffs allerhand unordnung, ungerechtigkeit und grosses verderben, ihre lande und leute betroffen, offt auch die unterthanen aufrührisch worden, und nach einem andern und besseren regiment verlanget.“

[*Veit Ludwig von Seckendorff: Teutscher Fürsten-staat, 1656. Cap V. Von der Administration und Verwaltung des weltlichen Regiments, nach vorher gesetzter Maasse, wie solche dem Landes-Herrn obliege, und er darzu Räthe und Diener gebrauche]

Demnach ich zuletzt freimüthig eingestunden zu haben mich erkläre, das „jeglicher Unwill meines Untertahen seinen Ursprung in meiner nachlässigen Regierung zu suchen und mich bemühe, immer da wo ich derartige Nachlssäigkeit walten lasse, demnächst mit meinem Verstand ordentlicher zu Rate zugehen.“ [ebenfalls Seckendorff ebd.]

Eine nachlässige Regierung käme mir so dann zu Schulden, wenn ich meinen Scribenten eine übertriebene Benutzung fremdländischer Begriffe immerzu durchgehen ließe [was er zwar häufig selbst immer tut, aber so ist es mit den Hohen Leuten] Nehmen wir nur ein Beispiel aus der „I. Anmerckung“ aus Tschirners Werklein, das uns ein Exempel davon geben soll, wie nicht zu schreiben sei, wollte man deutsch schreiben:

DJeweil junge Leute von Natur zu einem libertini-schen Ingenio, das von sich allein und von keiner Zucht-Ordnung dependi-ren will, incliniren; in der Welt aber dergleichen Frey-Geister, (a) Athei-sten und Debauchanten genung sich offeriren, die ihre Gedancken, bey öffentlichen Mahlzeiten und Conversationen, wider die Religion sehr scheinbar, und mit grossem Esprit vorzustellen wissen; welches bey dergleichen jungen Leuten viel Impressiones giebet, die sehr inhaeri-ren: So ist besonders nöthig, daß vor allen Dingen, ehe man fremde Länder besucht, von Informatoribus bey ihren Untergebenen in der (b) Theologie [1] recht gründliche Funda-menta geleget, und so bald ein Hof-meister hernach dergleichen Discur-se anhöret, solche alsdenn von ihm, insgeheim, nicht oben hin, sondern solide widerleget werden. Sol-ten jungen Leuten von (c) andern Religionen handelnde Bücher recommendiret werden, oder sie selbst Belieben tragen, dergleichen zu lesen: So muß man wohl in-culciren, daß bey deren Lesung nur dasjenige zu attendiren, was zu ei-nem gottseligen Leben dienet, was aber Opiniones sind, solche gäntzlich zu negligiren: So kan alles mit gutem Nutzen, ohne Anstoß, gebrau-chet werden. Besonders ist höchst-nöthig, weil die Noblesse das Jus Patronatus einmahl zu exerciren hat, und hierbey grosser Schaden ge- schehen kan, davon so vieler SeelenHeyl dependiret, daß sie auf Rei-sen, da die schönste Gelegenheit ist, den wahren Unterscheid rechtschaf-fener Theologorum zu erkennen, ja in keinerley Weise verabsäumen. [2]

…tschirnhaus_anleitung_1727?p=23 und 24

 


Beifügen:

„Daß nun auch der Jugend die gründliche Kündigkeit und Ausübung unserer Teutschen Sprache hochnötig und rühmlich, ja zu Anleitung vieles Gutes und Erwekkung munterer Gedanken eine Uhrsach und Mittel sey, ist daher zuschliessen, weil Kirchen und Schulen, Recht und Gerechtigkeit, Krieg und Friede, Handel und Wandel, Tuhn und lassen bey uns erhalten, geführet und fortgepflantzet wird durch unsere Teutsche Sprache; Wir treten dadurch zu GOtt und in den Himmel, ja, wir erhalten dadurch Leib und Seel. Nonne chori & fori negotia in patria Lingua patranda veniunt? nonne ipsa est, qua victum, qua amictum quisque parat? nonne quisque ea parte hac potisimum utitur, qua patriae est utilies, sagt Herr Harsdorf. in disq. 5 ¶ 5. Aber wie gar sparsam die Jugend darin angewiesen, und folgendes so wenig geschieht, viel weniger des Sinnes werde, oder werden knne, jhre MutterSprache in Beschreibung würdiger, künstlicher und ntiger Sachen reinlich und recht anzuwenden, oder sonst künstliche, nützliche, darin beschriebene Sachen, Wissenschaften und Tugenden zulieben, zuloben und zuverstehen, bedarf gar keines sagens, sondern vielmehr des Beklagens.“
Vorrede
Schottel, Justus Georg (-): Ausführliche Abhandlung Vom Ursprung und Aufnahme Der Teutsche[n] Sprache, Worinnen deren Alterthum aus denen bewährtesten Geschicht-Schreibern umständlich erläutert, ihre Zierlichkeit, Eigenschaften und Vermögen untersuchet, Wie auch von denen Stam[m]-Wörtern, Sprichwörtern, Redens-Arten Verfassern vom teutschen Wesen und teutscher Sprache gründlich gehandelt wird : Samt beygefügter Sprach- und Verse-Kunst In fünf Büchern abgetheilet. [Früher unter dem Titel: Ausführliche Arbeit von der Teutschen Haubtsprache]. Hildesheim. Online verfügbar unter

 

„Folgend will ich noch sagen und den hiemit Angesprochenen directe ermahnen, daß er sich keinen Poet wird nennen können, wenn er nur Reime schmiedet, aber von der Poesis keine kunstgerechte Kenntnis sich erworben. Lasse er demnach von der Dichtung ab; es sei denn er habe im innersten Verständnis und Kenntnis davon erlangt, als wie beim Talent zu merken- der abe auch ein Studium oder deutsch gesagt eine Lehre sich erteilt haben müsste. Von der Poeterei abgesehen ist dem Scribent als ein Schreiber aber auch das gleiche vor Augen geschrieben und kann nicht trefflicher ausgedrüclt werden, als es der Herr Schottel in seiner Lobede in Worte gebracht: „Ein Poet () voll Feur und Kunst/ dem die Tühr zur Freyheit billigmessiger Weise eröfnet/ und weit über den Pöbelgang erhaben ist/ wie wenig er um viehische Urteihle sich zu kümmeren/ so wenig hat er sich auch in seiner Kunst und lieblichen Rede / an das altages Geschwätze/ und saure Gewonheit der Wortrichter anzustrikken / noch nach dem Richtsteige der Buchgelahrten mit gefässelten Händen sich „

-Titel: Johann Daniel Longolii, Philosophiæ & Medicinæ Doctoris, [Einleitung zu gründlicher Erkäntniß einer ieden/ insonderheit aber Der teutschen Sprache/ Welcher man sich Zu accurater Untersuchung jeder Sprache/ und Besitzung einer untadelhafften Beredsamkeit in gebundenen und ungebundenen Reden/ Wie auch besonders In Teutschen für allerley Condition, Alter und Geschlechte/ Zu einem deutlichen und nützlichen Begriff der Mutter-Sprache/ bedienen kan]


Umverteilungskasten
Hier geht es in die vorangegangenen Teile der Sumpfgeschicht
und die darin verteilten Kapitel der Schreiber-Ordinance:

Sumpfgeschicht Teil 1
Sumpfgeschicht Teil 2:
CAPITUL I, Von der Frage, ob vermittelst der Schreiberei nicht mehr als eine
kurzweilige Gemüthserquickung herbeigeführt werden kann
(Sumpfgeschicht Teil II: General Schreiber-Ordinance, 1. Cap.)

CAPITUL II, G.W. Leibniz: Ermahnung an die Teutsche, ihren verstand und sprache
beßer zu üben … (Sumpfgeschicht Teil II: General Schreiber-Ordinance, 2. Cap.)

CAPITUL III, Von der Einbürgerung ausländischer Worte in den deutschen
Sprachgebrauch (Sumpfgeschicht Teil II: General Schreiber-Ordinance, 3. Cap.)