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Übersicht

1. Einleitung: Recht mäßiger hinweis zu den in unseren Texten aufgeführten Zitaten & zu den Schranken des Urheberrechts
2. Fraktur, der ach so schwer lesbare Schriftsatz
3. Veranschaulichung anhand eines Gedichtes von Daniel Georg Morhof (1639-1691)
4. zur richtigen und wohl begründeten Verwendung der unterschiedlichen s-Laute mit einer weiterführenden Erläuterung von Johann Christoph Adelung (1732–1806)
5. Weitere Ausführungen über den Buchstaben s

1. Einleitung: Recht mäßiger hinweis zu den in unseren Texten aufgeführten Zitaten & zu den Schranken des Urheberrechts

In einigen Artikeln auf der Seite ultimativefreiheitonline.wordpress.com verwenden wir so manches Zitat aus Schriften und Büchern anderer Autoren, die zum größten Teil ohnehin schon seit Jahrhunderten tot sind. Wie es nicht nur der Anstand verlangt, geben wir dazu selbstverständlich immer sämtliche Quellen an, und zwar sowohl die Angaben zu der ursprünglichen Erstausgabe, als auch die Daten späterer Herausgeber als Verlage oder Internetseiten. Auf die Angaben der Internetseiten verzichten wir dann, wenn uns ein Buch im Originaldruck oder als Nachdruck haptisch vorliegt und beschränken uns auf die im Impressum aufgeführten Publikationsangaben. Zumeist werden Auszüge aus Büchern nicht ohne Spezialbewilligung genehmigt, auf diese verzichten wir aber gerne, vielmehr als die heutige Literatur interessiert uns ohnehin nur altes und längst vergessenes, bzw. verschwiegenes Schreibegut, womit allerdings keine indizierten Schriften gemeint sind – sondern ganz wohlfeile, angenehme, aber natürlich auch kritische Sprachkunst. Die Sprachkunst des Deutschen ist für die heutige Verlegerschaft eben nicht mehr von Interesse, es überwiegt das Splätter-Blätter-Hingeschmetter für den Durchschnittsleser, derweil dem Gelehrten regelmäßig intellektuell hochgeliftetes Kopfgeschwafel vorgesetzt wird, während bei vielen dieser Autoren zumeist nur eine (hinter gekonnter Schriftstellermethodik) verborgene Selbsttherapie oder eine Angeberei sondergleichen vonstatten geht.

Aber darum geht es hier gar nicht so sehr. Eher möchte hiermit nur der Hinweis gegeben werden, daß wir die ausgewählten Zitate und Textpassagen nicht ohne verständigen und vernünftigen Rahmen veröffentlichen, sondern diese in eigene selbst geschriebene Texte, d.h. in selbstständige Sprachwerke, einfliessen lassen, sinnvoll und nützlich und ausdrücklich als Zitate erkennbar gemacht.

Falls eines der hier vorgestellten Werke inzwischen als Druckwerk neu veröffentlicht wurde, geben wir den herausgebenden Verlag unverzüglich bekannt. (Dieses Werk wurde inzwischen im …Verlag veröffentlicht) In der Hoffnung dies möge alsbald geschehen, nehmen wir in regelmäßigen Abständen (von max. 9½ Wochen) eine diesbezügliche Prüfung vor, dies i.d.R. über die Internetseite Buchkatalog.de. Eine möglicherweise von uns bereits zuvor geleistete Abschrift und hier veröffentlichte Fassung des Gesamtwerks wird dann entfernt, die in unsere selbstständigen Sprachwerke aufgeführten Auszüge bleiben jedoch unter Bekanntgabe der genannten Bezugsquelle weiter einsehbar. Hierzu berufen wir uns auf das Urheberrecht §§ 1-69g, Abschn. 6 – Schranken des Urheberrechts (§§ 44a -63a), worin es heißt:

§51 Zitate
Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn
1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden,
2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden, …

2. Fraktur, der ach so schwer lesbare Schriftsatz

Die Lektüre der (z. Tl. von uns in den Findelgarten gesetzten) Werke aus den Jahren ca. 1630-1750 könnte heutzutage durchaus ein Vergnügen sein, wäre da nicht diese Frakturschrift, die uns als ein gebrochener Schriftsatz nur schwer über die Augen ins Sprachzentrum geraten will, was aber nicht der Grund für die heutige Verlegerschaft sein dürfte, daß sie diesen Zeitraum schriftstellerischen Tuns und ihre enorme Schöpfungskraft vollständig ignorien.

Zur Drucksetzung verwendete man seinerzeit die Lettern der Frakturschrift, bis man allmählich zur sogenannten Antiqua überging. Es gibt einige Archive im Internet, die sich die Mühe machten, aus vielen solcher alten Bücher digitalisierte Faksimiles zu erstellen (was ein hoher technischer und kostenspieliger Aufwand ist), so daß man (im gelungenen Fall) immerhin die gestalterische Schönheit derselben Werke erfassen kann; diese aber zu lesen fällt nicht nur aufgrund der alten Schriftart schwer, sondern ist sie, so über den Bildschirm fliegend, auch sehr mühsam zu begreifen.
Zum Glück gibt es nun manche sprachverliebte Geisteswissenschaftler, Philologen, Germanisten und weitere Buchliebhaber, die einen enormen Aufwand betreiben, einige dieser bereits digitalisierten alten Schriftwerke (ob Fraktur oder Antiqua) noch zusätzlich als „Reintext“ zu erfassen, so daß wir nun wenigstens im Internet (sodann auf der Festplatte) viele alten Schriften in der heutigen Schriftart vorliegen haben. In manchen dieser Reintexte wird jedoch leider die alte Schreibweise vernachlässigt, bzw. nicht original übersetzt, so zum Beispiel wird das alte lange ſ durch ein kurzes s wiedergegeben und andere mehr (s.u.).

Ein „Reintext“ ist in gewisser Weise ein bereinigter Text, jedoch hat diese Bereinigung nur im Sinne der besseren Lesbarkeit und der Anschaulichkeit und nicht zum Zwecke der Textveränderung zu geschehen. Das heißt, es ist in erster Linie die Übersetzung einer altertümlichen Schriftart in die heutige, nicht aber eine Veränderung des Stils und des damaligen Sprachgebrauchs. Um dies zu gewährleisten und dem Werk in seinem Urlaut dennoch nicht zu schaden, ist eben darauf zu achten, daß der Transkribent gewisse Editionsrichtlinien verfolgt und genug Professionalität walten läßt, um die Bewahrung des ursprünglichen Sprachgebrauchs der jeweiligen Originalvorlagen gewährleisten zu können.
Im Hinblick auf die Quellen, die ich für meine geringen Auszüge hier benütze und auch stets angebe, kann ich versichern, daß man dieser Sorgfaltspflicht auch nachkam. Und so, wie andere sich für ihre Arbeit in aller Regel die Erstausgabe eines Werkes zugrunde gelegt haben, beziehe ich meine Auszüge wiederum aus deren daraus entwickelten Reintexten. Wo ich solche nicht finde, schreibe ich sie Wort für Wort eigenhändig von den digitalisierten Faksimiles ab oder benütze entsprechende Nachdrucke, die mir nach zufälliger Auffindung in Antiquariaten als Buchausgabe wahrhaftig oder wahrhaptisch in die Hände gerieten und mir bei meiner währenden Arbeit als original Zitationsquell dienen könnten.
Hierbei ist es fast überflüssig zu erwähnen, daß auch ich mich an die gegebenen Editionsrichtlinien halte – soweit das auf dieser Schreibefläche möglich ist. Worauf dabei zu achten ist, wird nun wiefolgt kurz aufgezeigt und abschließend mit einem schönen Gedicht von Daniel Georg Morhof (1639-1691) nochmals anschaulich dargestellt:

  • Änderung des langen s oder sogenannten Schaft-s (wir sagen Lispel-s) in s, demnach: ſ = s
    Achtung: Mit großer Vorliebe würde ich mich lieber an die richtige und wohl begründete Verwendung der unterſchiedlichen S-Laute halten und ſie im öffentlichen Text vollziehen. Warum dies und etwas mehr zur richtigen und wohl begründeten Verwendung der unterschiedlichen s-Laute unter 4-5
  • Änderung der Umlaute , oͤ, nicht etwa in ä,ö,ü sondern in ae, oe, ue
    denn in Originalen werden häufig sowohl als auch ä verwendet, so daß wir ä nämlich durchaus da stehen lassen, wo es stimmig ist. Diese Richtlinie ist eine Empfehlung, der wir derzeit selber noch nicht nachkommen. es scheint hierbei auch keine einheitliche Regelung gegeben zu haben, bzw. wurde damit unterschiedlich verfahren, wie z.B. auch J.C. Adelung in seinem Wörterbuch (Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Quelle unten) feststellte.
  • Die Ligaturen æ und œ in lateinischen Wörtern werden zu ae und oe umgeformt
  • Ansonsten gilt die buchstabengetreue Erfassung eines Textes, denn die Anpassung an nachfolgende Rechtschreibungen ist haltloser Unfug. Schrieb einer „nothwendig“, so ist es auch notwendig das „nothwendig“ beizubehalten.
  • Auf haargenaue Zeilentreue kann (aufgrund der unterschiedlichen Formate) verzichtet werden, bei Gedichten sei sie aber beizubehalten
  • An Zeilenenden können Wort-
    trennungen
    aufgelöst werden, ebenso am Seiten-
    -ende
    . Das Wort steht dann als Ganzes am nächsten

    Zeilenanfang, bzw.
    Seitenanfang
  • Virgeln: / ,die man häufig als Komma oder auch zur Andeutung eines Absatzes verwendete, werden entsprechend ersetzt
  • Anführungszeichen werden als deutsche Anführungszeichen: „“ und nicht als Französische Anführungszeichen: »« gezeigt.
  • In Fraktur wurde der Bindestrich doppelt gedruckt: = und wird durch den einfachen Bindestrich: ersetzt.
  • Redaktionelle Anmerkungen erfolgen in [Klammern] um Textstellen zu kommentieren oder zu erläutern
  • Und am Wichtigsten: Nicht mehr gebräuchliche Worte werden nicht durch neue ersetzt! Sondern allenfalls im Anhang erläutert. Nur weil ein Wort nicht im Duden steht, heißt das nicht, daß es nicht mehr exisitiert oder wieder verwendet werden könnte. Vor allem aber muß man bereits würdevoll neu transportierte ältere Bücher nicht durch Wegstreichung und Ergänzung sämtlicher Eigenheiten neu umschreiben, nur weil man meint, das Original sei aufgrund der damaligen Sprachweise unverständlich; so geschehen mit Grimmelshausens „Simplicissimus“ in einer überflüssigen Ausgabe des Eichborn Verlags durch die Hand von Reinhold Kaiser. Dieser Text ist sozusagen eine Übersetzung des Werkes in den heutigen Sprachgebrauch und es wäre daher unabdingbar gewesen, noch in derselben Ausgabe den Originaltext als Ganzes voran oder hintan zu stellen, allein um zu erkennen, welche der beiden Texte literarisch wertvoll ist und welcher eben nicht. R. Kaisers Umschrift ist es eben nicht, zumal eine „Übersetzung“ oder Umschrift zum besseren Verständnis völlig überflüssig ist, da Grimmelshausens Deutsch durchaus verstanden werden kann. Es hätte gereicht, die wenigen Worte, die heute nicht mehr bekannt sind, im Anhang zu erklären. Aber das haben schon andere vor ihm getan. Auch daher: Überflüssig.

3. Veranschaulichung anhand eines Gedichtes von Daniel Georg Morhof (1639-1691)

Folgendes Sonnet von D.G. Morhof ist eine Abschrift gemäß der Reintext-Version im Deutschen Textarchiv [1]. Dies wird hier als Beispiel einmal anschaulich dargestellt. Im direkten Anschluß daran erfolgt die für unsere Arbeit jeweils um die Umlaute veränderte und auf das Schaft-s verzichtende Schreibweise.

Sonnet.

NIm diß mein ſchlechtes Werck/ o

groſſer Goͤnner/ an

Mein Goͤnner/ dem ich bin von lan-

ger Zeit verpflichtet.

Nim hin diß Werck/ das Dir die ſchwache

Feder richtet/

Und dieſe Fauſt/ die nichts als diß erbauen

kan.

Doch ſey es/ wie es iſt. Lobt dieſes nicht

den Mann/

So bleibt der Wille doch/ den keine Zeit

vernichtet/

Und meine Tichtkunſt ſelbſt hat nichts

hierin getichtet.

Die Sprachkunſt ſpricht vor ihn. So

bleibt dir dieſer dann.

Ein ſtarcker Wille gibt den Preiß dem

ſchwachen Wercke.

So nim nun was diß iſt/ von deines Die-
ners Haͤnden.
Iſt nichts zu loben dann an ſeinen Reim-
gebaͤnden/
So ſoll ein teutſches Hertz bey teut-
ſcher Zungen ſein.

E. Exc.
gehorſamſter Diener
D. G. Morhoff.

Für diese Internetseite veränderte Schreibweise:

Sonnet.
NIm diß mein schlechtes Werck/ o
grosser Goenner/ an
Mein Goenner/ dem ich bin von lan-
ger Zeit verpflichtet.
Nim hin diß Werck/ das Dir die schwache
Feder richtet/
Und diese Faust/ die nichts als diß erbauen
kan.
Doch sey es/ wie es ist. Lobt dieses nicht
den Mann/
So bleibt der Wille doch/ den keine Zeit
vernichtet/
Und meine Tichtkunst selbst hat nichts
hierin getichtet.
Die Sprachkunst spricht vor ihn. So
bleibt dir dieser dann.
Ein starcker Wille gibt den Preiß dem
schwachen Wercke.

So nim nun was diß ist/ von deines Die-
ners Haenden.
Ist nichts zu loben dann an seinen Reim-
gebaenden/
So soll ein teutsches Hertz bey teut-
scher Zungen sein.

E. Exc.
gehorsamster Diener
D. G. Morhoff.

Hier wurde also das Schaft-s getilgt. Ebenso die Umlaute ä und ö, die seinerzeit als a oder o mit einem kleinen e obendrauf dargestellt wurden.
Gleiches gilt natrlich auch für das , das in diesem Geticht nur nicht bentzt wurde.


4. Zur richtigen und wohl begründeten Verwendung der unterschiedlichen s-Laute mit einer weiterführenen Erläuterung von Johann Christoph Adelung (1732–1806)

A.

Um also trotz Überwindung der typographischen Eigenheiten die ursprüngliche Emphase der seinerzeit gängigen Ausdrucksform beizubehalten und zum Behufe dieser gleichzeitig die flüssige Lesbarkeit zu gewährleisten, sind im Prinzip nur wenige Eingriffe in den Urtext notwendig und es ist in der professionellen Textbearbeitung auch durchaus gängig, altertümliche Buchstabenzeichen durch heutige zu ersetzen. Dies dürfte meines Erachtens aber nicht für die unterschiedlichen s-Laute gelten, die in den meisten Transcriptionen allesamt als einfaches s umformt werden, obwohl der s-Laut sowohl in den Originalen in unterschiedlichen Schreibweisen auftaucht. Da findet man zum Einen das sogenannte lange s (auch genannt Schaft-s), das als ein ſ dargestellt wird und das wir aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Kleinbuchstaben f ein Lispel-s nennen könnten. Und während das uns bekannte runde s sowohl in den Fraktur- als auch in alten Antiquatexten seine Anwendung fand, ersetzt es in der Transkription häufig das Schaft-s (ſ), damit wir eben nicht hin und wieder lispelnd leſen. Doch genau dies ist grammatikalisch im Grunde nicht korrekt, vielmehr ist zu beachten, daß man seinerzeit beide s-Formen aus gutem Grunde (stimmlos und stimmhaft) benutzte (sogar drei, wenn das man scharfe ß, bzw. sz*, hinzuzählt) wie hier zu sehen:

a

*Daß es sich bei dem Buchstaben ß in Fraktur um zwei zusammengesetzte Buchstaben handelt, also bekanntermaßen um s+z, aber eben gemäß der alten Form: ſʒ – ist in dieser Abbildung zu erkennen:

b

Gleichwohl ist das ß auch als Zuammensetzung der Buchstaben ſ und s anzusehen, jedoch in der Schriftform Antiqua, die bald die Oberhand über die Fraktur gewann. Ob es in dieser Übergangsphase bereits einheitliche Regeln zum richtigen Gebrauch der vielen s gab, bzw. diese dann eingehalten worden wären, ist mehr als fraglich.

Zum ß in Antiqua eine weitere Erläuterung: Dieser ist „… eigentlich eine Zusammensetzung aus zwei Formen von s – dient zwei verschiedenen Zwecken. Einerseits steht er für das stimmlose s nach langen Vokalen und Diphthongen, wenn noch ein Vokal folgt: grüßen, reißen; wegen der Stammschreibung dann auch in reißt, grüßt, Gruß. Andererseits steht ß anstelle von ss, wenn diese Verbindung nicht mehr zu zwei Silben gehört, aber wegen der Stammschreibung auch nicht aufgegeben werden soll: Haß, haßt (zu hassen). Hinzu kommt noch daß zur Unterscheidung von das.“ [2]

B.

Auch ich nehme in hier eigens für die Webseite transkribierten Texten oftmals die Änderung des langen s oder sogenannten Schaft-s (Lispel-s) in s, demnach: ſ = s vor. Dies aber nicht immer, denn mit großer Vorliebe würde ich mich lieber an die richtige und wohl begründete Verwendung der unterschiedlichen S-Laute (stimmlos und stimmhaft) halten (und zwar nicht nur in Transkriptionen, sondern auch in allen anderen Schriften) und sie im öffentlichen Text vollziehen. Auch wenn das Schaft-S/Lispel-s nur als Zeichen für den Fraktursatz gegolten haben sollte (gleichwohl in Antiqua-Schriften älterer Zeit noch häufig genug zu finden, daher kann man nicht behaupten es sei mit der Fraktur abgeschafft worden oder nur als Zeichen in der Frakturschrift gewesen!) fände ich die Verwendung dieses schönen Buchstaben auch heute noch sinnvoll – und klangvoll. Hierzu aber benötigten wir auf der Tastatur das Schaft-S oder wir müßten einen hohen Aufwand betreiben, um es jedes Mal anzuwenden. Daher bleibe ich noch oft genug beim s, anstatt des ſ.
(Bei allfälliger Rückbesinnung auf dieses Schaft- ſ würde ich es gerne optisch leicht verändert wissen, um es besser vom f zu unterscheiden. Vielleicht ein Kringel im oberen Bereich oder einen Bogen nach links im unteren Bereich)

Um der richtigen Verwendung der unterschiedlichen s-Laute nachzukommen, wäre dann gemäß Johann Christoph Adelung (1732–1806) [3] das folgende zu beachten:

„Was die Schreibart dieſes Buchſtabens betrifft, ſo herrſcht darin eine nicht geringere Verſchiedenheit, indem die vier Figuren ſ, s, ß und ſſ faſt von einem jeden anders gebraucht werden, welche indeſſen doch alle darin einig ſind, daß das ſ und s zur Bezeichnung des einfachen, das ſſ aber zur Bezeichnung des doppelten s gebraucht werden müſſe. Das ß (Eßzet) iſt der Figur nach freylich auch nichts anders, als ein doppeltes ſſ, weil das z, welches deſſen letzte Hälfte ausmacht, ehedem ſehr häufig die Stelle des s vertreten mußte. Es wurde vor dieſem auch beſtändig mit dem ſſ faſt ohne allen Unterſchied als gleichgültig gebraucht, und erſt in dieſem Jahrhunderte hat man angefangen, es noch von demſelben zu unterſcheiden, und ihm ſeine eigenen Verrichtungen anzuweiſen, weil die Figur einmahl da war, und man es, wie billig, für unnöthig hielt, zwey völlig gleichgültige Zeichen für einen und eben denſelben Laut zu haben.

Man kann wirklich einen dreyfachen, ſehr merklich verſchiedenen Laut in dem ſ unterſcheiden, einen ſehr gelinden, wie in Roſe, blaſen; ſauſen, Muſe, Maſer, einen ſtärkern, wie in ich las, weislich, Haus, gottlos, Buße, Muße, das Roß, (im Bienenſtocke,) das Maß, menſura, und den ſtärkſten oder das doppelte ſſ, wie in Roß, laſſen, Schloß, müſſen, die Maſſe.

1) Das gelinde oder ſanfte ſ ſtehet allemahl zu Anfange eines Wortes und ſehr oft auch in der Mitte zu Anfange einer Sylbe, und wird ohne Ausnahme durch ein langes ſ ausgedruckt; Salz, ſäumen, ſelig, ſeltſam, raſen, Blaſe, ſummſen.

2) Das ſcharfe ſ findet ſich in mehrern Fällen und wird nun einmahl bald durch ſ, bald durch s, bald aber auch durch ß ausgedruckt.

(a) Durch s.
(aa)
Am Ende eines Wortes oder einer Sylbe, wenn es in deſſen Verlängerung wieder in das vorige gelinde ſ übergehet, oder aus demſelben entſtanden iſt; Haus; Häuſer, böslich von böſe, weislich von weiſe, Röschen von Roſe, ich las, lies von leſen, Ries, Rieſe, Graus, grauſen. Daß man aus, das, was und andere einſylbige Wörter auch nur mit einem s ſchreibt, ob man gleich außen, deſſen und weſſen ſchreibt und ſpricht, iſt als eine Ausnahme anzuſehen.
(bb) Am Ende einer Sylbe oder eines Wortes, theils wenn noch ein anderer Mitlauter, theils aber auch, wenn ein ausgedehnter Selbſtlaut vorher gehet; Dachs, Fuchs, Wachstafel, Gans, Wamms, Hals, es, des Mannes.

(b) Durch ein ſ zu Anfange einer Sylbe nach b, p, ph, ch, g, k, d, t und th; wachſen, des Wachſes, die Füchſe, die Büchſe. Die Endſylbe ſam aber lautet allemahl gelinde, wachſam. Nach andern Mitlautern bleibt es gleichfalls gelinde; Gänſe, Hälſe, wammſen.

(c) Durch ein ß, und zwar allemahl nach einem gedehnten Selbſtlaute: der Fuß, die Füße, auf etwas fußen, füße, füßlich, groß, größer, Buße, boßeln, ſpaßen, Kloß, Klöße, Muße, müßig, fließen, Meißen, Preußen, Gruß, grüßen, ich ſaß, ich aß u.ſ.f. Die Fälle, wo dieſes ſcharfe ß Statt findet, muß bloß die richtige Ausſprache geben. Freylich gibt es Mundarten, z. B. die Schleſiſche, welche dieſen gedehnten Selbſtlaut beſtändig geſchärft ſprechen, und die müſſen denn freylich auch, wenn ſie ihrer Ausſprache gemäß ſchreiben wollen, Füſſe, grüſſen, Buſſe u.ſ.f. ſchreiben, weil ſie ſo ſprechen.

3) Das gedoppelte ſ; dieſes wird entweder durch ein ß oder durch ein ſſ ausgedruckt.

(a) Durch ein ß.
(aa) Am Ende eines Wortes oder einer Sylbe, wo es eine vorher gehende geſchärfte Sylbe voraus ſetzet, und in der Verlängerung in ſſ übergehet; Schloß, Faß, Haß, häßlich, Flußwaſſer.
(bb) In der Mitte einer Sylbe, wenn nach dem ſſ ein e weggeworfen worden, oder wenn es doch aus dem ſſ entſtanden iſt; er ißt von iſſet, heißt, beißt, haßt, gleißt, gewußt, ich wußte.

(b) Durch ein ſſ, zwiſchen zwey Vocalen, wenn die Ausſprache ein doppeltes s erfordert; laſſen, haſſen, faſſen, Gaſſe, und ſo ferner.
Dieſes dreyfache, dem Laute nach verſchiedene s iſt in der Ausſprache hinlänglich gegründet. Roſe lautet doch anders, als das Roß (die Wachstafeln im Bienenſtocke) und Roß, Muſe, anders als Muße, und müſſen, Maſer anders als Maß und Maſſe, weiſe anders als weiß, Schöße anders als Geſchoſſe u.ſ.f. Indeſſen gibt es doch Sprachlehrer, welche mit der Vertheilung der Schriftzeichen ſ, s, ß und ſſ unter dieſe drey Laute nicht zufrieden ſind, und beſonders wider den jetzt gedachten Gebrauch des ß ſehr vieles einzuwenden haben. Wahr iſt es freylich, daß dieſe Art, die vier Figuren des Lautes ſ zu ſchreiben, ihre Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten hat, beſonders da das ß am Ende eines Wortes ſo wohl das ſcharfe, als auch das doppelte s ausdrucken muß; allein man hat doch nichts beſſeres an ihre Statt in Vorſchlag gebracht.“

Alles klar soweit? 🙂


5. Weitere Ausführungen über den Buchstaben s

Eine Bemerkung von J.J. Weber in einem Artikel urspr. über Daniel Sanders, 1856

Daß die Grimms bei allem Fleisse und aller Bemühung, die sie aufbrachten, manchmal etwas konzeptlos vorgegangen sind, meint auch J.J. Weber 1856, hier in kritischer Bezugnahme zu Daniel Hendel Sanders „Katechismus der dtsch Orthographie“ (Sanders hatte Grimms Konzeptlosigkeit und einhergehende hohe Fehlerquote noch zu deren Lebzeiten ausdrücklich betont und auch seitenweise nachgewiesen, worauf ich an anderer Stelle bald ausführlich eingehen werde):
„“In wiefern der s.g. deutsche druck im gegensatz zur antiqua (wenn wir etwa das
uns eigentümliche in der bezeichnung der s-laute u. v, w ausnemen) mit der
entwicklung unserer sprache in einem besondern zusammenhange stehe,
sehe ich nicht ein; die s.g. deutschen buchstaben sind ja doch eben nichts andres als die lateinischen,

nur sind die einfach edlen formen der lat. buchstaben zu eckigen unschönen verunstaltet, u. das uns eigentümliche ß ist ja durch Grimm auch den lat. buchstaben zugefügt. Ob dis die beste form war, welche Grimm wälen konnte, ist
allerdings fraglich. Villeicht wäre statt dessen das mhd z [ʒ] vorzuziehen gewesen,
weil man sich wol weniger gescheut haben würde, auch hier die verdoppelung bestehen zu lassen, also z.b. waʒʒer zu schreiben, wärend waßßer allgemein gescheut wird.“
Quelle: Zeitschrift für Stenographie und Orthographie, hrsg von Dr. G. Michaelis,
V. Jargang Nr. 2 März-April 1857,III Orthographische Rundschau, 12. [Zum] Katechismus der deutschen Orthographie. Von Daniel Sanders. Leipzig, J.J. Weber. 1856 [5]


Textquellen:


1
Morhof, Daniel Georg: Unterricht Von Der Teutschen Sprache und Poesie. Kiel, 1682. In: Deutsches Textarchiv http://www.deutschestextarchiv.de/morhof_unterricht_1682/7 und
http://www.deutschestextarchiv.de/morhof_unterricht_1682/8

2 http://rechtschreibung.com/Seiten2/Wissenschaft/970IcklerWBRegel.html#ZKU020

3
Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, 3. Teil (M–Scr). Hrsg. von Franz Xaver Schönberger, Wien 1808, Sp. 1228 f.
Als Digitalisat des Originals:
http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/toc/1873343/1/LOG_0000/
Buchstabe s:
http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/image/1323499/615/LOG_0010/
Im Reintext: http://www.woerterbuchnetz.de/Adelung (ältere Ausgabe Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe. Leipzig 1793-1801) / Fundort: © 2010—2019 by Trier Center for Digital Humanities / Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier

Noch dieses hinzu:

Johann Christoph Adelung
Elektronische Volltext- und Faksimile-Edition nach der Ausgabe letzter Hand Leipzig 1793–1801:

„Mit dem »Wörterbuch der hochdeutschen Mundart« schuf Johann Christoph Adelung (1732-1806) das erste Großwörterbuch der deutschen Sprache. Das legendäre Nachschlagewerk, dessen erste Auflage zwischen 1774 und 1786 im Leipziger Verlag Breitkopf & Sohn erschien, beschreibt in rund 60.000 Artikeln detailliert die Herkunft, die Bedeutung und die Verwendung des deutschen Wort- und Sprachschatzes in der Mitte und am Ende des 18. Jahrhunderts und dokumentiert damit in einzigartiger Weise den Entwicklungsstand der Sprache am Beginn des klassischen Zeitalters der deutschen Literatur.

Bei der »zweyten, vermehrten und verbesserten Ausgabe« des Wörterbuchs handelt es sich im Gegensatz zu allen späteren Ausgaben um die letzte Ausgabe, die Johann Christoph Adelung noch selbst besorgt hat. Gegenüber der ersten Auflage ist sie nicht nur um rund 1.000 Stichwörter erweitert, sondern zeichnet sich auch durch eine stringentere Form der Artikel und eine größere Aktualität der Belege und Zitate aus.“
http://www.zeno.org/Adelung-1793
oder https://deacademic.com/contents.nsf/grammatisch/

Nach diesem Buche müsste auch noch gesucht werden:
Kleines deutsches Wörterbuch für die Aussprache, Rechtschreibung, Biegung und Ableitung, in welchem überdieß alle grammaticalische Benennungen erklärt, und sehr viele fremde Wörter verdeutscht werden, Von Johann Christoph Adelung, 5. Aufl 1824, Ausgearbeitet von Carl Benjamin Schade nach Adelungs Schriften

5 Zeitschrift für Stenographie und Orthographie, hrsg von Dr. G. Michaelis,
V. Jargang Nr. 2 März-April 1857,
III Orthographische Rundschau, 12. Katechismus der deutschen Orthographie. Von Daniel Sanders. Leipzig, J.J. Weber. 1856
https://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV037210182

Bildquellen:
a+b aus Phillip von Zesens Rosenmänd:

  • Autor, Herausgeber: Zesen, Philipp von (1619-1689)
  • Titel: Filip Zesens Rosen-mând:
  • Untertitel: das ist in ein und dreissig gesprächen Eröfnete Wunder-schacht zum unerschätzlichen Steine der Weisen : Darinnen unter andern gewiesen wird/ wie … schatz der Hochdeutschen sprache/ unsichtbarlich/ durch den trieb der Natur/ von der Zungen; sichtbarlich aber durch den trieb der Kunst/ aus der feder … reichlich entsprüßet
  • Seitenanzahl: 232
  • Erscheinungsort: Hamburg
  • Verlag/Drucker: Pape
  • Erscheinungsjahr: 1651
  • Fundort/Standort: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
    Signatur: HAB Wolfenbüttel <M: Lo 8308>
    Online-Ausgabe: http://diglib.hab.de/drucke/lo-8308/start.htm
    Titeldaten, OPAC: http://opac.lbs-braunschweig.gbv.de/DB=2/SET=2/TTL=1/SHW?FRST=1

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