Schlagwörter

,

Benebst unserer selbst auferlegten >Transcriptions-Richtlinien erfolgt hier noch das hiermit geltende Regularium für unseren Schreiber und Hofscribent Jermain Foutre le Camp sowie alle Tintenmeister, die sich unsere Texte u.U. Eigen machen oder unrechtmäßig Teile daheraus übernehmen wollten.

Copisten-Regularium

§1
VORSCHRIFT UND EINHALTSGEBOT

Damit zwischen mir -Urbald Freiherr Oberhand- dem Potentaten dieses glorwürdigen Hauses, und seinem untertänigen Hofscribenten Jermain Foutre le Campein neuer Hausfriede und desto beständigere Einigkeit möge erlangt und erhalten werden, soll der Untertan die nachfolgenden und aus vielfältigen auch durch anderer Leute schriften herzuleitenden instructioni einzuhalten verpflichtet werden, nachdem er diese Erinnerungen und Warnungen wie meine bereits in >Kapitul 1 in manuscripto hinterlassenen sehr nützlichen Erläuterungen und Beilagen fleissig zusammen getragen, extrahirt, aufpolirt und in eine richtige Ordnung der Materien dermassen deutlich und verständlich auszuführen sich bemüht hat, daß dieselben von allen Schreibern und Lesern gar leicht können gefasset und begriffen werden, um damit männiglichen sowohl zur ergötzlichen Gemüthsgenesung, als auch nothwendigen Lehrwarnung und anständigen Conduite sowohl im Schriftwesen als aber auch im tat-sächlichen Leben zu dienen.

§2
VERBOT DER EXTERRITORIALEN WEITERGABE

Allen dritten Schreibern oder insbesondere Blogmeistern, die ihre intermedialen Schmiertafeln hauptsächlich durch stete Befüllung flugs herbeigeluchster Raubkopien zu erhalten in der Lage sind, sei hiermit strikt untersagt, unsere Dokument in Gänze, zur Hälfte, zu einem Drittel oder zu einem Viertel zu übernehmen, sondern allenfalls zu einem geringeren Teil bei Angabe der Hersteller-Quelle und deutlicher Verweisung zurück in den hiesigen Bottich; derweil sie mit partieller Übernahme der von uns ordentlich gekennzeichneten Originalzitate anderer Urheber so verfahren mögen, wie sie es für Richtig halten, was vermutlich fehl laufen wird, haben sie durch ihr bisheriges Tun doch schon ausreichend bewiesen, nichts von der Richtigkeit im Sinne einer Rechtschaffenheit zu wissen.

§3
AUSNAHMEREGUL FÜR UNSEREN SCHREIBER JERMAIN FOUTRE LE CAMP

Demnach niemand anderem gebühret ohne durch Unsere freiherrliche Gunst erlangte Gnade wie auch ohne Unserm federführenden Willen, dasjenige Schriftwerk in öffentlichen Druck zu geben, im welchem unserm Hofscribenten Jermain Foutre le Camp ohnlängst von allerhöchst gemeldeter Stelle befohlen worden, sich dem darin befindlichen Regularium zu unterwerfen, wird ihm kund zu wissen getan, dass nur ihm die besondere Gnade erwiesen sei, von demselben Schreiben und allen davon dependirende Acta ein authenticam Copiam nach den wahren bei uns hinterlegten Originalbögen zu erstellen und solches in offenen Druck zu verlegen, wasgestalten auf seine allerunterthänigsten Bitten hin kraft dieses Briefs geschieht und worüber Wir ihm mit diesem Regularium zu erkennen gegeben die Erlaubnis zu ertheilen gnädigst geruhen wollten.

Diesem Paragraph seien noch folgende Originalzeilen aus dem Westfälischen Friedensvertrag von 1648* hinzugefügt:

… dieweil Wir nun wir offentlich / gnädiglich angesehen solche obbmelten vnderthänigst zimbliche Bitt / vnd darumb mit wolbedachtem Muth / gutem Rath / vnd rechtem Wissen / die in diesen Tractaten vorgeloffenen Acta, sambt dem darauff künfftig erfolgenden schlus / in offenen Truck ausgehen lassen / […] gebieten wir das es sonst an keinem Orth [also von niemandem] / weder in grösserer / oder kleinerer Form / nicht nachgedruckt / noch auch also nachgedruckter distrahirt, feyl gehabt / oder verkaufft werden solle / [es sei denn] er habe … [dazu] Bewilligung vnd Erlaubnus bekommen. Als gebieten Wir darauff allen vnsern […] Vnderthanen vnd Getrewen / insonderheit allen Buchdruckern / Buchführern / Buchverkauffern [und Blogmeistern]/ bey vermeidung Fünff Marck Lötiges Golds / […] / vnnachlässig zu bezahlen hiemit ernstlich / vnd wollen / das ihr / noch einiger aus euch / durch sich selbst / oder jemands von ewrent wegen / obangeregte […] Acta […] nicht nachdrucket / also auch nachgedruckter distrahiret, feyl habet / vmbtraget / oder verkauffet / noch solches andern zu thun gestattet / […]

[Quelle: „Friedens-Schluß. So von der Römischen Käyserlichen / Vnd Aller-Christl. Königl. Mayst. Mayst. Als auch Deß Heyl. Römischen Reichs Extraordinari-Deputirten, vnd anderer Chur:Fürsten vnd Ständ Gevollmächtigten vnd Hochansehenlichen Herren Abgesandten zu Münster in Westphalen / am 24/14. Octobris Im Jahr 1648. in offentlicher Versamblung vnderschrieben vnd bekräfftiget / auch den 25/15. eiusdem solenniter publicirt worden / etc.
Auß dem wahren Original, wie es bey dem Chur-Mäyntzis. Reichs-Directorio deponirt worden / in Teutsche versetzt.“ → Quelldaten ]

In Betracht des Unwesens, das die kopisten und plagiatöre auch heute wieder treiben, sei auch noch diese vor ca. 400 Jahren vom werten Johann Rist geschriebenen Zeilen hinzugedacht, die er ins Vorfeld seines Schriftgärtleins „Das friedewünschende teutschland“* setzte, was zu damals noch erforderlicher war, als heute zu Tage, da er ja noch keinen selbstständigen Schutz durch eine übergeordnete Ur-herberge erfuhr und so also darüber klagte, daß sein Werk, Zitat:

„von etlichen eigennützigen Leuten / ohne alles Mein Vorwissen und Bewilligung an fremden Ohrten sein nachgedrükket und also dem Verleger das Seinige gantz unverantwohrlicher weise gleichsahm abgestohlen. Diese Tokmaüser [Duckmäuser] nun /gleich wie Sie billig zu bestraffen; Also mügen Sie sich versichert halten / daß Sie dieses leichtfertige Stüklein dem Verleger nicht sollen umsonst gethan haben …“

[und somit:]

…. „alle und iede /die mit dem Bücherhandel einiger mahssen zu schaffen haben / zum allerfleissigsten hiemit verwarnend /daß Sie sich an diesem leisten [letzten] / alß dem nunmehr verbessertem und gemehrtem Drukke ia nicht vergreiffen / dem Verleger zum grossen Schaden selbiges etwan nachdrukken und also vorsetzlicher Weise zu offenbaren Dieben und Räuberen, wollen werden. Jch zweifele durchauß nicht/ Ehrliche Leute / welche GOTT fürchten und die Redligkeit lieb haben /werden diese treügemeinete Warnung nachdenklich zu Hertzen nemen: Dieienige aber / welche eines schnöden Gewinnes halber Ehre und Redligkeit gantz leichtfertiger weise an die Seite setzen / werden dieselbe / dafern sie sich deß eigennützigen Nachdrukkes nicht enthalten / auch leiden müssen / daß man ihnen in öffentlichen Schafften und Büchern ihren eigentlichen wolverdieneten Titul vor der gantzen ehrbaren Welt giebet und Jhrer Person dergestalt gedenket /daß redliche Hertzen mit solchen Räuberen auch nur ümmezugehen / oder / wie wir Teütsche sagen / nur auß der Kannen zu trinken ein billiches bedenken und abscheüen werden haben und tragen.“ etc

Quelle: Johann Rist, das friedewünschende Teutschland, 1647, → Quelldaten

Urbald Freiherr Oberhand im Januarsch 1750