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Gottfried Wilhelm Leibniz: Ermahnung an die Teutsche, ihren verstand und sprache beßer zu üben, samt beygefügten vorschlag einer Teutsch=gesinten gesellschafft, 1683

Ort der Zuwendung nach Aufnahme in den Findelgarten:  
Sumpfgeschicht Teil II / General Schreiber-Ordinance, 2. Cap.

Bibliographische Angaben

  • Autor: Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)
  • Titel: Ermahnung an die Teutsche, ihren verstand und sprache beßer zu üben, samt beygefügten vorschlag einer Teutsch=gesinten gesellschafft
  • Untertitel:
  • Erscheinungsort: –
  • Verlag/Drucker: –
  • Erscheinungsjahr: 1683
  • Fundort: Buchvorlage
    Europäische Verlagsanstalt Frankfurt am Main, 1967
    Europa Verlag Wien
    Reihe: Politische Texte
    Titel: G.W. Leibniz, Politische Schriften II
    Herausgegeben und eingeleitet von Hans Heinz Holz
    Titel vergriffen
  • Weitere Fundorte/ Quellen:
    – Hochschule Augsburg, University of Applied sciences
    Link: https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/17Jh/Leibniz/lei_erma.html
    – Die selbe Textausgabe findet man auch auf der Schülerseite Lernhelfer.de: https://www.lernhelfer.de/sites/default/files/lexicon/pdf/BWS-DEU1-0216-03.pdf
    – Weitere Quellen: Pietsch, Paul: Leibniz und die deutsche Sprache. Teil II: Ermahnung an die Teutsche, ihren Verstand und Sprache beßer zu üben, samt beigefügtem Vorschlag einer Teutsch gesinnten Gesellschaft. In: Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, Vierte Reihe, Heft 29 (1907) 265-312.
    http://www.uni-giessen.de/gloning/at/pietsch_leibniz-und-die-deutsche-sprache-1+2.pdf
  • Angaben zum Autor: Beruf und Tätigkeit: Polyhistor/Universalgelehrter [Polyhistorie ist die fächerübergreifende, philologisch-historische Gelehrsamkeit]; Philosoph ; Mathematiker ; Bibliothekar ; Diplomat ; Publizist ; Reichshofrat (lt. DNB; doch muß man auch noch hinzufügen: Physiker, Metaphysiker, Geisteswissenschaftler, Naturwissenschaftler)
    Übrigens auch (nicht) bekannt unter folgenden Pseudonymen: Caesarinus, Fürstenerius (Pseudonym) / Fürsteneer, Caesar (Pseudonym)/ Republicanus, Caesarinus Furstenerius / Lithuanus, Georgius Ulicovius (Pseudonym) /Pacidius, Wilhelm (Pseudonym) Semper Sibisimilis (Pseudonym) / Gallo-Graecus, Germanus /Gallo-Graecus, Germano / Justiniano, Veridicus de (Pseudonym) / Freybach (Pseudonym)
    Quelle: http://d-nb.info/gnd/118571249
  • Notiz, Vermerk: „[Leibniz] „war wohl die vielseitigste Gestalt der deutschen Geistesgeschichte im 17. Jh.; [und ist es bis heute!] ein Gelehrter, dem nichts Wissenswertes fremd blieb, der aber nicht als Polyhistor das Wissen um des Wissens willen ansammelte, sondern es stets mit der Praxis verbinden wollte […] Die wesentlichen Grundlagen der Computertechnik beispielsweise, so die Rechenmaschine – sogar die dyadische –, die Dyadik selbst, der infinitesimale und der logische Kalkül (Schaltalgebra), die Kombinatorik und die Wahrscheinlichkeitsrechnung, der Umgang mit Näherungswerten und nicht zuletzt die Charakteristik und Begriffsanalyse sind von ihm entdeckt oder entscheidend weiterentwickelt worden. […] L. verbreitete seine Gedanken mehr durch eine umfangreiche Korrespondenz – sie umfaßt über 15 000 Briefe an und von mehr als 1 000 über ganz Europa bis hin nach China verteilten Adressaten – als durch die gut 300 Schriften, die er oder seine Zeitgenossen größtenteils in Form von Aufsätzen und Rezensionen herausgaben. Diese vergleichsweise wenigen Publikationen machen nur einen Bruchteil dessen aus, was L., zumeist als Fragment, in die Schubladen verbannte. So wurde sein Werk zum größten Teil erst postum in einem immer wieder abgebrochenen und bis heute nicht abgeschlossenen Prozeß im Druck zugänglich gemacht, „

    „Ein wenig später als Newton, gleichwohl, wie aus dem Nachlaß zu belegen, eindeutig unabhängig von ihm, hat L. 1675 die Infinitesimalrechnung erfunden und seitdem erfolgreich zur Lösung verschiedenartigster Probleme herangezogen“

    L. erfand wohl um 1670 die erste Vierspezies-Rechenmaschine. Sie funktionierte nach dem Prinzip der Staffelwalze. Bereits 1673 konnte er sie in Paris und London an einem hölzernen Modell vorführen. … Wenig bekannt ist daneben L.s früher, genialer Entwurf einer dyadischen Rechenmaschine (1679), den er technisch gar nicht erst auszuführen versuchte.“ [Beide Maschinen gelten als Vorläufer des Computers]

    „Einer der bekanntesten philosophischen Aufsätze, die besonders im 18. Jh. in der Erkenntnistheorie und der neuen Ästhetik einflußreichen „Meditationes de cognitione, veritate et ideis“, erschien 1684″

    „Von späteren Errungenschaften seien hervorgehoben: seine ebenfalls 1679 ersonnene „Analysis situs“, eine neuartige Topologie als Gegenstück zur analytischen Geometrie von Descartes,“

    „Körper und überhaupt die ganze Welt mit ihrer Geschichte sind Phänomene nicht von, sondern in den sie in prästabilierter Harmonie wie in einem „lebenden Spiegel“ produzierenden Monaden. Ihre Perzeptionen sind nichts als Darstellungen des Vielen in der Einheit, ihre Appetitionen nichts als das Streben nach neuen Perzeptionen. Eine kontinuierliche, in jedem Augenblick unendliche Folge größtenteils unmerklicher „petites perceptions“, verknüpft das Individuum mit dem ganzen Universum und zugleich mit seiner eigenen Vergangenheit und Zukunft, … Mit seiner Theorie der „petites perceptions“ wurde er der Entdecker des Unbewußten. … Im strengen metaphysischen Sinn gibt es weder Geburt noch Tod, sondern nur Transformationen der unzerstörbaren Substanz. Die Zustände der Monaden folgen nicht ohne göttliche Mitwirkung aufeinander, ihre Erhaltung ist als eine fortwährende Schöpfung zu begreifen.“
    Quelle: Schepers, Heinrich, „Leibniz, Gottfried Wilhelm“ in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 121-131 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571249.html#ndbcontent

Anmerkung:
Wie sagte mein Herr & Brötchengeber Urbald Freiherr Oberhand einst so schön über den Herrn Leibniz: „Bezeichnender Weise heute zu Tage nur noch in Form eines Butterkeks bekannt.“


Ausgewählte Zitate

„Wie haben es doch unsre vorfahren vor etwa hundert und mehr jahren gemacht, das sie ganze folianten mit reinem teutsch gefüllet, dann wer sagt, das sie nichts lesenswürdiges geschrieben, hat sie nicht gelesen. Wer spüret nicht in den Reichsabschieden den Unterschied der Güldenen und eisernen zeit, wann er siehet, das die teutsche sprache und die teutsche ruhe zugleich übern hauffen gangen, und auff einmahl unser ruhm, und unsre sprachrichtigkeit von uns gewichen?
Von der Zeit an haben teutsche Kriegsheere fremden befelichhabern gegen ihr Vaterland zu gebote gestanden, und das teütsche blut ist der ausländer mit falschen anerbieten übertünchter landgierigkeit aufgeopfert worden. Von der Zeit an, hat auch unsre sprache die zeichen unser angehenden Dienstbarkeit tragen müsen. Gott wende diese Ahndung in gnaden ab, damit ja nicht, nach dem es nun fast an dem, das die sprache zugrund gerichtet, es mit der teütschen freyheit geschehen seyn möge.“

„Wir sperren uns bisweilen aus einer leidigen halsstarrigkeit, unser obrigkeit zu rechter Zeit zu hülffe zu kommen, und müsen hernach von fremden volck, so bey uns sich einlagert, uns das marck aussaugen lasen. [au weia..] Aus welchen allen ich dann schliese, das uns nur der wille mangle, glückseelig zu seyn, das die Teutsche Freyheit annoch wahrhafftig lebe, und nicht nur in der einbildung bestehe, und das also ein wahrer Patriot das beste zu hoffen, sein Vaterland zu lieben, und zugleich dahin zu trachten habe, wie desen glückseeligkeit nicht durch ohnmächtige wündsche, oder blinden eifer, sondern wohlüberlegte Vorschläge, und deren getreuliche vollstreckung befördert werde.“

„Sind wir also in denen dingen so den Verstand betreffen bereits in eine Slaverey gerathen, und werden durch unsre blindheit gezwungen, unsre art zu leben, zu reden, zu schreiben, ja so gar zu gedencken, nach frembden Grillen einzurichten.“

„Was ist edler als die Teütsche Freyheit und sagte nicht jener tapfere Fürst recht, Teutschland sey ein freyes Reich und billig das freyeste auf der Welt? Ich weis, einige Klugdünckende werden meiner alhier spotten. Ihr hochfliegender verstand ist dahin kommen, das sie die Religion vor einen Zaum des Pöbels, und die freyheit vor eine einbildung der einfältigen halten.“

„Gott werde einen weg zu unser wohlfart finden, und dieses Reich, so der Christenheit Hauptfeste ist, gnädiglich erhalten; so wird auch das höchste Oberhaupt samt andern Potentaten und ständen mittel wißen, dadurch die teütsche tugend wieder zu vorigen glanz kommen möge …“

„… Was aber den Verstand betrifft und die Sprache, welche gleichsam als ein heller spiegel des Verstandes zu achten; so glaub ich dießfals habe ein ieder macht seine gedancken vorzutragen, ja es ist schwehr, zugleich sein Vaterland lieben, dieses unheil sehen, und nicht beclagen.“

„Können wir nun dieser Leute Zahl vermehren; die lust und liebe zu weisheit und tugend bey den Teutschen hefftiger machen, die schlaffenden erwecken, oder auch diesen reinen feüer, so sich bereits in vielen treflichen gemüthern sowohl bey standesPersonen, als auch so gar bey niedrigen leuten, und nicht weniger bey dem liebreichen frauenZimmer als tapfern Männern entzündet, neüe und annehmliche nahrung verschaffen, so achten wir dem Vaterland einen der grösten Dienste gethan zu haben, deren privatpersonen fähig seyn.“

„Ist nun einiger Mensch seinem Vaterland verpflichtet, so sind es wir, die das Werthe Teutschland bewohnen.
Ich will nicht ausführen, daß ihm der Himmel gewogen, der es weder mit übermäßiger hize brennet, noch zu einer unerträglichen Kälte verdammet, daß ansteckende Kranckheiten bey uns seltsam, daß wir von Erdbeben fast nichts wißen, so Asien und Welschland erschrecken, daß unser erdreich mit metallen durchzogen, mit früchten bedecket, mit thieren angefüllet, und da wir Unser glück erkennen wolten, uns fast alles zu hause giebt, was nicht nur zur nothdurfft sondern auch zur beqvemligkeit, wohllust dienet. [Wohl-Lust, nicht Wolllust]
Wachsen bey uns die Oranienäpfel [Leibniz meinte wohl Orangen :)] nicht von sich selbsten, so haben wir auch keine Scorpionen zu fürchten. Und unsre Borstorffer laben mehr als was uns Indien schicket. [ich lach mich kringelig, das muß ich mir nochmal auf der Feder zergehen lassen: „Wachsen bey uns die Oranienäpfel nicht von sich selbsten, so haben wir auch keine Scorpionen zu fürchten. Und unsre Borstorffer laben mehr als was uns Indien schicket.“ Grandiose Rhethorik!]
Worumb solte man bey uns nicht sowohl guthe seide und zucker als herrliche weine zeugen können, die nicht weniger der Sonne bedürfftig? Wenn unsre Leinwand recht verarbeitet, können wir des schädlichen Catoens wohl entbehren. Mit Metallen haben wir den vorzug in Europa, und sind die metallischen Künste bey uns aufs höchste gestiegen. Wir haben zuerst eisen in stahl verwandelt und Kupfer in Meßing; wir haben das eisen überzinnen erfunden, und viel ander nüzliche wißenschafften entdeckt, also daß unsere Künstler in der edlen Chymie und bergwerckssachen der gantzen welt lehrmeister worden. Wir haben reiche salzquellen, und unvergleichliche sauerbrunnen, welche unter einem annähmlichen Schmack mehr als eine ganze Apotheke führen, und der Natur wunderlich zu statten kommen. Unsre SeeKüste ist mit ansehnlichen städten und herrlichen einfahrten bemercket; das innere unsers Landes wird von schiffreichen Waßern durchkreüzet. Es sind Stein= und Marmorbrüche in den felsen, und bauholz die fülle in den Wäldern, leder, rauchwerck, wolle, leinwand haben wir überflüßig; ja daß seide bey uns nüzlich zu zeügen habe bereits erwehnet, und sind davon unterschiedene Proben vorhanden, davon ich viel umbstände sagen köndte.
Wenn wir die gaben Gottes gnugsam zu brauchen wüsten, würde es uns kein land so gar an Zierde und beqvämligkeit zuvor thun. Aber wir laßen uns gewächse aus der frembde schicken, die bey uns ganze felder bedecken.
Wir verwundern uns über den aüßerlichen glanz der fremden lande, durch die wir reisen, und bedencken nicht, daß allemahl das beste zur schau herausgeleget: sie wißen beßer als wir ihre ungelegenheiten zu verbergen, aber wer in das innere schauet, siehet ihr elend, und mus unser Teutschland loben, deßen rauhes ansehn einen nehrenden safft in sich hält. Denn seine hügel fließen mit wein und seine thäler trieffen mit fett. Wenn der Herr friede giebet, so wohnet freüde und Wonne in unsern Mauern. Gesegnet ist dieß land, wenn es den Herrn fürchtet, und wenn seine inwohner die tugend lieben. Gott hat den Teutschen stärcke und muth gegeben, und es reget sich ein edles bluth in ihren adern, ihre aufrichtigkeit ist ungefärbet, und ihr herz und mund stimmen zusammen.“

„Wenn nun die Teutsche tugend dergestalt in der aschen liegen solte, daß auch keine glimmende funcken mehr übrig blieben weren, so würde dieses, was ich bishehr nicht ohne gemüthsbewegung ausgeschüttet, nicht nur vergebens sondern schädlich seyn. Dann wozu dienets, daß man unsre wunden aufdecke, wann sie unheilbar seyn, oder auch von der scharffen lufft verschlimmert werden können? Aber Gottlob unser unglück ist noch nicht bis auf die höchste staffel gestiegen. Gnug ists, daß uns die augen geöfnet worden. Es ist noch hofnung bey dem Krancken, solange er schmerzen fühlet; und wer weis, warumb uns Gott gezüchtiget, deßen Väterliche Ruthe wohl gemeinet, wenn wir uns nur selbst die beßerung nicht unmüglich machen. Und weil aus allen obstehenden soviel erscheinet, daß vor allen dingen die gemüther aufgemuntert und der verstand erwecket werden müße als der aller tugend und tapferkeit seele ist; so were dieß meine unvorgreiffliche Meinung, es solten einige wohlmeinende Personen zusammen treten und unter höheren schuz eine Teutschgesinte Gesellschaft stifften; deren absehen auf alle das jenige gerichtet seyn solle, so den Teutschen ruhm erhalten, oder auch wieder aufrichten könne; und solches zwar in denen dingen, so Verstand, gelehrsamkeit und beredsamkeit einiger maßen betreffen können“

„und dieweil solches alles vornehmlich in der Sprache erscheinet, als welche ist eine Dolmetscherin des gemüths und eine behalterin der wißenschafft, so würde unter andern auch dahin zu trachten seyn, wie allerhand nachdenckliche, nüzliche, auch annehmliche Kernschrifften in Teutscher sprache verfertiget werden möchten, damit der lauff der barbarey gehämmet, und die in den tag hinein schreiben, beschähmet werden mögen.“

… „Da man nun dergestalt in kurzer Zeit die wahl herrlicher Teutscher schrifften haben solte, so bin ich versichert, daß gar bald die hof und weltLeute auch das frauenZimmer selbst, und was nur sinnreich und wißensbegierig, eine große freude daran haben würden. Dieß wird denen gemüthern gleichsam ein neues leben eingießen, in gesellschafften, auch unter reisegeferten und bey briefwechselung angenehme und nüzliche Materi an die hand geben, und nicht nur zu einer löblichen Zeitkürzung, sondern auch zu einer öfnung des Verstandes, zeitigung der bey uns sonst gar zu spät lernenden jugend, aufmunterung des Teutschen Muths, ausmusterung des frembden affenwercks, erfindung eigner beqvämligkeiten, ausbreitung und vermehrung der Wißenschafften, aufnehmen und beförderung der rechten gelehrten und tugendhafften Personen und mit einem worth zum ruhm und wohlfahrt Teutscher Nation gereichen.“

„Ich will wohlglauben, das unsre vorfahren kein chocolate gekennet, und das, was vom The abgekocht, vor ein Kreüterbad gehalten haben würden [! :)], das sie weder aus silber noch aus porcellan gegesen noch die Zimmer mit Tapezereyen bekleidet; noch trachtenpupen von Paris kommen lasen. Aber das ihren Verstand etwas dahehr abgangen, damit bin ich nicht einig. sind denn das die herrliche RegirungsKünste: ist das so land und Leute glückseelig machet? schicket man deswegen junge leute in die welt, und läset sie ein gros theil ihres Erbguths verzehren: das nehmlich ein französischer schneider oder Koch oder auch wohl gar Chirurgus etwas zu thun bekomme, und wir uns auch noch sogar zuhause narren lasen. Ich will diese Dinge nicht zwar an sich selbst und insgemein verdammen; verständige leüte wisen damit umbzugehen wie kluge Medici mit Chymischen arzneyen, aber das man aus solchen kleinigkeiten die glückseeligkeit unsrer zeiten machen will, das ist ungereimet. Eines were zu loben, wenn die französische Mode das übermäsige sauffen abbringen köndte; doch sorge ich, man werde den teufel mit Beelzebub vertreiben, und bin fast der meinung, das weiland ein trunckener alter Teutscher in reden und schreiben mehr verstand spüren lasen, als aniezo ein nüchterner französischer Affe thun wird [!!]. Denn wie soll ich diese teütsche Väntgen anders nennen; welche indem sie nach dem frembden schatten schnappen die rechtschaffene teütsche that verlieren, und nicht sehen, das allemahl was gezwungen und nachgethan abgeschmackt ist. Beser ist ein Original von einem Teütschen, als eine Copey von einem Franzosen seyn. Es were ein anders werck, wenn auch von uns etwas aniezo gefunden würde, desen beqvemligkeit auch die ausländer nachzuahmen zwingen köndte, weil aber unser reden, unser schreiben, unser leben, unser Vernünfftlen in einer Nachäffung bestehet, so ist leicht zu erachten, das wir die hülse vor den kern bekommen, …“ 

„Irren dahehr die jenigen sehr, welche sich einbilden, das die wiederbringung der Teutschen Beredsamkeit nur allein in ausmusterung ausländischer wörther beruhe. Ich halte dieses vor das geringste, und will keinem über ein fremd worth so wohl zu pase komt den proces machen, aber das ungereimte, unnöthige einflicken ausländischer, auch nicht einmahl verstandener nicht zwar worte, doch red=arthen, die ganz gleichsam zerfallende säze und abtheilungen, die ganz unschickliche zusammenfügungen, die untaugliche Vernunftsgründe, deren man sich schämen müste, wenn man nur etwas zurückdencken wolte: Dies alles ist, was nicht nur unsere sprache verderben sondern auch ie mehr und mehr die gemüther anstecken wird.“


Hinweis

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Um eine sorgsame Verwendung von Zitaten und ausgewählten Passagen aus alten Büchern und Schriften zu gewährleisten, haben wir uns folgende sehr strenge → Transcriptionsrichtlinien selbst auferlegt


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